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Liebe Melodiven, Freund*innen & Musikinteressierte,

hier ist wieder eine kleine, feine Auswahl von neuen Alben, die in diesem Monat die Vielfalt der Jazzmusik und große künstlerische Leidenschaften zeigt. Auch wer eher ruhige Musik mag und gern in weite Klangräume eintaucht, wird hier fündig und kann sich das eine oder andere musikalische Hola gönnen. Übrigens: Langsame, ruhige Musik fördert die Ausschüttung von Noradrenalin, was Stresshormone reduzieren kann. Und mit Musik lassen sich auch negative Gedankenschleifen viel einfacher abschalten als ohne. In diesem Sinne: 

Viel Spaß beim Lesen und Lauschen,

Eure Mane & das MELODIVA Team

Übrigens: Die hier vorgestellten Alben stelle ich am Freitag, 26.09. um 13 Uhr in der Sendung "Abgehört" bei Radio Rebell vor (und ihr könnt sie und weitere Folgen auf Mixcloud nachhören)!

 
 
 
 
 
THEMEN-AUSGABE SEPTEMBER 2025

1) YUMI ITO – „Lonely Island" 
(Jazz)
2) ANNE PACEO
- „Atlantis“
(Jazz | Pop | Electronica)
3
) ARIEL BART – „After Silence“
(Jazz)

4) SARA BAX – „She’s The Poem“
(Jazz)

5) SHUTEEN ERDENEBAATAR & NILS KUGELMANN – „Under The Same Stars“
(Jazz)

 
 
 
 
 
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1) YUMI ITO – „Lonely Island"

Jazz (Schweiz)

Auf ihren Kern reduzierte Songversionen haben ihren besonderen Reiz: sie offenbaren authentisches Songwriting, das ohne "künstliche" Effekte auskommt. Auf ihrem ersten Soloalbum macht die Schweizer Jazzmusikerin Yumi Ito genau das: sie präsentiert zehn Originalkompositionen aus ihrem Big-Band-Album Stardust Crystals und dem Trioalbum Ysla live nur mit Stimme und Klavier. Diese hat sie in einem Studio im Tessin, eingebettet in die Natur, mit einem Team aus fast ausschließlichen F(L)INTA-Personen aufgenommen. Es sind Songs über Vergänglichkeit („After The End“), zerbrochene Beziehungen („Is It You“), erfülltes Leben („What Seems To Be“) und unsere gestörte Verbindung zur Natur („Stardust Crystals“) in ihrer emotionalen Essenz. Die Musik erinnert in ihrer Intensität an Singer-/Songwriterinnen wie Tori Amos oder Fiona Apple, nicht nur wegen des ausdrucksstarken Gesangs, sondern auch aufgrund ihres erzählerischen Klavierspiels, das nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet. Zum ersten Mal hat Ito auch ausgedehnte Klavierimprovisationen eingebaut, die sie hie und da mit großem Stimmumfang verdoppelt. Die Parts, die in den Band-Versionen z.B. von Saxofon, Gitarre, Streichern oder Harfe gespielt wurden, ersetzt sie durch neue, spannende Klangbilder.  „Ich wollte ein Album machen, das sich anfühlt wie ein Hauskonzert. So, als säße man mit mir im Raum – ehrlich, verletzlich, pur“, sagt die Künstlerin mit den polnisch-japanischen Wurzeln. Das ist ihr gelungen. „Lonely Island“ ist ein tiefgründiges und bewegendes Album, dem ich ewig lauschen könnte. Video

VÖ: 19.09.2025 | enja | 10 Tracks | Shop | Infos

 
 
 
 
 
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2) ANNE PACEO - „Atlantis“

Jazz | Pop | Electronica (Frankreich)

Die Faszination der Welt unter Wasser zieht viele Menschen in ihren Bann. Wer einmal in den Tiefen des Ozeans getaucht ist, und diese unbekannte, friedliche und entrückte Welt erkundet hat, steigt meist beseelt aus den Fluten. Der Musikerin Anne Paceo ging es so, als sie zum ersten Mal tauchen war und in der Schwerelosigkeit des Ozeans ihren ersten magischen Moment erlebte. Das war der Beginn ihres neuen Projekts "Atlantis". Auf ihrem achten Album lässt sie nun einen mystischen Rückzugsort auferstehen, in dem es sich wunderbar abschalten lässt. Mit ihren langjährigen Wegbegleitern an Saxofon, Trompete, Keyboards und Synthesizern und den Stimmen von Gildaa, Cynthia Abraham und Piers Faccini erzeugt sie einen atmosphärisch dichten Sound zwischen Jazz, Electronica und Pop. Die Kompositionen sind vielschichtig, hypnotisch, eindringlich und wuchtig, aber auch mit ganz zarten und in sich gekehrten Passagen, die zum Innehalten einladen. Die großartigen treibenden Beats, die auf „Atlantis“ zu hören sind, stammen von Anne Paceo selbst, denn sie ist nicht nur Komponistin und Sängerin, sondern vor allem eine preisgekrönte Schlagzeugerin, die an der Elfenbeinküste, umgeben von der Musik der ortsansässigen Perkussionisten aufwuchs. Mit 10 begann sie mit dem Schlagzeugspiel und wurde als erste Schlagzeugerin in die Jazzklasse des Konservatoriums in Paris aufgenommen. In ihrem neuen Mentorenprojekt WIZZ unterstützt sie jetzt selbst junge Instrumentalistinnen bei ihrer Karriereentwicklung. Video

VÖ: 29.08.2025 | Jusqu’a la nuit | 13 Tracks | Shop | Infos
 
 
 
 
 
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3) ARIEL BART – „After Silence“

Jazz (Israel)

Eine ungewöhnliche Trio-Besetzung ist auf dem Album „After Silence“ zu hören: Mundharmonika, Cello und Klavier. Auf ihrem dritten Studioalbum macht die 27jährige israelische Komponistin und Mundharmonikaspielerin Ariel Bart mit Talia Erdal (Cello) und Arseny Rykov (Piano) einen Raum zur Reflexion auf. Es knüpft an ihr letztes Album “Documentaries” an, das davon handelte, wie andere uns sehen und wie es wirklich in uns selbst aussieht. „Wir neigen dazu, uns schnelle Urteile zu bilden – über Menschen, Kulturen, Situationen. Einfach, weil das Unbekannte oft Angst macht oder weil uns der Zugang zu anderen Lebenswirklichkeiten fehlt. Dieses Album erinnert mich daran, innezuhalten, hinzuhören, hinzusehen. Zu fragen: Was liegt hinter der Oberfläche? Welche Geschichten verbergen sich in den Schatten? Es geht um Empathie – durch Musik“. Es lohnt sich, genau hinzuhören und in diese Trialoge einzutauchen, die seit drei Jahren auf Jazzfestivals in ganz Europa zu hören sind. Alle Stücke stammen aus Barts Feder. Es sind wunderschöne Leitmelodien, die sie mal gemeinsam, mal allein oder zu zweit entwickeln lässt, immer Raum lassend füreinander. Songtitel und Klangräume künden von Sehnsucht nach Frieden („Wind From The North“) und Wandel („Seeds Of Change“) - sicherlich wird die Künstlerin dabei auch den Krieg in Gaza im Sinn haben – und strahlen eine warme, melancholische Ruhe aus. „Eine neue, berührende Stimme im zeitgenössischen Jazz“ (Promotext). Video

VÖ: 19.09.2025 |  Bandcamp |  9 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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4) SARA BAX – „She’s The Poem“

Jazz (Niederlande)

„Let’s deviate from what’s ideal and instead show what’s real“, überschreibt die niederländische Sängerin und Komponistin Sara Bax ihr neues Album „She’s The Poem“, das sie mit Musikern an Piano, Flügelhorn, Cello und Schlagzeug aufgenommen hat. Ihre 10 Songs sind poetische, fein beobachtete Porträts von Menschen, denen sie begegnet ist oder die sie berührt haben. „Unter uns finden wir liebe Freunde, starke weibliche Vorbilder, die sich der Rettung der Welt verschrieben haben, großartige, inspirierende Künstler, tiefe Lieben, schmerzhafte Vergangenheiten. Schönheit und hässliche Schönheit – alles so natürlich, unverfälscht und poetisch“, schreibt sie im Booklet. Gemeinsam mit ihrer tollen Band setzt sie sich mit liebevoller Sympathie in "ihre" Figuren hinein. Da ist Anna, deren Fotografien mit verspielter Verletzlichkeit "Wunderländer" erschaffen. Die Malerin Frida (Kahlo), die ihren Schmerz und ihr Leid zu Schönheit verarbeitet und in einem Gedicht von ihrer tiefen Verbindung zu ihrem untreuen Geliebten Diego Rivera erzählt. Ellen ist das Gedicht in Bax‘ Kopf, die Muse, die dem Album seinen Titel gegeben hat. Michael, den sie bei einem Konzertjob auf einem Kreuzfahrtschiff kennenlernte, und dem sie ihren ersten Bossa Nova auf Brasilianisch geschrieben hat. Jeder Song bekommt eine eigene Sprache, denn Sara Bax ist polyglott, und sie will ihre Geschichten authentisch erzählen. Mit ihrer Musik wolle sie Menschen zum Strahlen bringen, damit sie die Magie und Liebe dieser Welt spüren können, schreibt sie – eine schönere Einladung gibt es nicht. Video

VÖ. 12.09. | Challenge Records | 10 Tracks | Shop | Infos

 
 
 
 
 
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5) SHUTEEN ERDENEBAATAR & NILS KUGELMANN – „Under The Same Stars“

Jazz (Mongolei/Deutschland)

Als „Liebesgeschichte für Klavier und Kontra-Alt-Klarinette“ wird das Album „Under The Same Stars“ angekündigt. Die Pianistin und Komponistin Shuteen Erdenebaatar und der Münchner Multiinstrumentalist und Komponist Nils Kugelmann machen darauf erstmals als Duo gemeinsame Sache. Die Musikerin wurde in der Mongolei geboren und spielte bereits im Alter von sechs an der bedeutendsten Musikschule des Landes. Im Laufe ihrer Jugend entdeckte sie den Piano Jazz für sich. Sie zog zum Studium nach München, gründete mehrere Bandprojekte und ein Kammerjazzorchester und wurde 2024 gleich zweimal für den Deutschen Jazzpreis nominiert. In Nils Kugelmann hat sie nicht nur einen kongenialen Begleiter gefunden, er wurde auch ihr Lebenspartner. „Unsere Wege verliefen parallel und folgten Reisen, die sich irgendwie spiegelten, bis sie uns sanft zusammenführten. Diese Verbindung ist das Herzstück von „Under the Same Stars“, schreibt sie. Neben Kontrabass spielt Kugelmann auf dem Album ein über 70 Jahre altes Instrument, das „tief wie ein Abgrund und warm wie ein Lagerfeuer“ klingt: eine Kontra-Alt-Klarinette, die Kugelmann vor vielen Jahren gebraucht gekauft hatte. Da kein Repertoire für dieses seltene Instrument zu finden war, machten sich die zwei daran, ganz neue Stücke zu komponieren. Diese sind zeitlos schön und sehr besonders. Sie feiern die kleinen Wunder des Lebens, erforschen die Mysterien des Waldes und die Momente des geteilten Glücks, die wie die Musik für immer bestehen bleiben. Beim berührenden „Whispers Beyond Time“ ist Jakob Manz auf der Altblockflöte zu hören, und bei „What Will Remain“ kommt eine Pferdekopfgeige eindrucksvoll zum Einsatz. Video

VÖ: 12.09.2025 | Motéma Music | 10 Tracks | Shop | Infos

 
 
 
 
 

Auf MELODIVA findet Ihr weitere neue CD-Reviews wie das AL ANDALUZ PROJECT und MAYA FADEEVA sowie Infos, Reports und Konzert- und Workshoptermine.



Wenn Ihr Tipps & Infos für den nächsten Monat habt, meldet Euch wie immer bei uns unter musik@melodiva.de!
 


Wer diesen Newsletter trotz seines überaus informativen, sorgfältig recherchierten und interessanten Gehalts in Zukunft lieber nicht mehr bekommen möchte, kann sich hier austragen.

Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas: 
Verena Höfle, Belqis Schuber, Hildegard Bernasconi & Mane Stelzer und 
die Vorstandsfrauen: Nina Hacker und Katrin Zurborg.


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