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Liebe Melodiven, Freund*innen & Musikinteressierte!



In diesem Monat könnt Ihr euch über besondere musikalischen Perlen freuen, die vor politischen Botschaften, neuen Wegen und Reflexionen nur so strotzen! Ein Funk-Appetizer aus Frankreich, Ausgezogenes aus Norwegen und Deutschland, jede Menge großes Hörkino, das Groove-Feuerwerk einer Tinnitus-Patientin und neu aufgelegte Protestlieder. Und auf den Zauber einer Verlosung müsst Ihr auch nicht verzichten: RIEKE KATZ ist in Kürze mit ihrer luftig-leichten Popjazz-CD "That’s me" live unterwegs, u.a. am 21.09. in der Seminarturnhalle Nagold und am 31.10. bei Kunst im Kontor Wuppertal. Wer sich schon mal einstimmen möchte, schreibe uns eine Mail mit dem Betreff "Verlosung" und der Postadresse bis 23.09.2018. Wir wünschen Euch viel Glück!

Eure Mane vom MELODIVA-Redaktionsteam

 
 
THEMEN – AUSGABE SEPTEMBER 2018

1) NINA ATTAL – „Jump“
(Funk | Pop | Electro)
2) THE SLAGS - "The Bedroom Tapes"
(Rock | Folk)
3) SOPHIE HUNGER – “Molecules”
(Electro | Folk)
4) TORUN ERIKSEN - "Luxury And Waste”
(Jazz)  
5) ULRIKE HAAGE & CHRISTIAN MEYER – “Stills”
(Electro | Jazz)
6) ESTHER KAISER
– „Songs Of Courage“

(Jazz)
7) MANOU GALLO – „Afro Groove Queen“
(R'n'B | Soul | World)

 
 
 
 
 
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1) NINA ATTAL „Jump“

Funk | Pop | Electro (Frankreich)

„Jump“ heißt die dritte CD von Nina Attal aus Paris, auf der sie - analog zu ihren Tattoos, die sich in den Jahren rasant vermehrt haben - neue Facetten und Konturen zeigt. Im Zentrum ihrer energiegeladenen Musik steht wie gewohnt ihre kräftige Stimme, aber erstmals spielt sie auf dem Album alle Gitarren selbst. Sehr wandelbar und gekonnt, mal deep-bluesy oder hell-funky, unterlegt von recht dominantem, aber abwechslungsreichem Drum Programming, Keyboardklängen und einem Moog Bass, für die ihr Mann und Koproduzent Anthony Honnet verantwortlich zeichnet. Ganz neue Töne kommen vom kammermusikalischen Well Quartet und einigen Gastsänger*innen, die allesamt zur jungen französischen Rock- und Popszene gehören. „I’ve Been Fool“ beginnt als knarzender Blues, nimmt dann Fahrt auf und featured den Singer-/Songwriter Benjamin Siksou. Auf „Carry Me“, dessen unwiderstehliche Hook auch von Michael Jackson stammen könnte, rappt Beat Assaillant (Elektro Deluxe), auf „Road Ahead“ bekommt sie Unterstützung von Andréa Durand. Erstmals ist Attal auch in ihrer Muttersprache zu hören und beschert uns mit „Laisse-Moi Le Temps“ ein echtes Highlight der Platte: es offenbart nicht nur, dass Attal eine grandiose Gitarristin ist, die hervorragend solieren kann, sie klingt auch viel authentischer. Das lebenslustige Duett mit der französischen Sängerin Anaïs ist unwiderstehlich und zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht. Neben gut gelaunten Tanzknallern, die wir von Attal gewohnt sind, gibt es auf „Jump“ also auch ein paar Entdeckungen zu machen. Live ist sie ein Muss; nach dem Reeperbahnfestival ist sie im Oktober bei uns auf Tour.

VÖ: 07.09.2018 Fol Skip Records | 12 Tracks | https://www.ninaattal.com/

 
 
 
 
 
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2) THE SLAGS - "The Bedroom Tapes"

Rock | Folk (Deutschland)

Von Strom und dem stressigen Rock’n’Roll Leben von einst entschlackt, ergründen The Slags aus Frankfurt auf ihrem neuen Album das Wesen ihrer Songs. Mit einem abgespecktem Instrumentarium aus drei Stimmen, einer Gitarre, einem Mini-Schlagzeug mit Snare und Besen, Harp, Akkordeon und Bass, präsentieren die vier darauf alte und neue Songs. The Slags lebten in den 90er Jahren eine veritable Rockerinnen-Karriere, sie veröffentlichten drei CDs, spielten 13 Tourneen durch halb Europa in fünf Jahren bis sie 1996 eine Unterbrechung für Kind & Kegel und Soloprojekte einlegten. Einem erneuten Anlauf kam eine schwere Erkrankung der Bassistin Anja Kraft in die Quere, woraufhin die Band auf unplugged umstellte. 2014 mussten sie Abschied nehmen, ihre Bandkollegin starb nach einer Lungen-Transplantation. Umso mutiger, dass sich die drei jetzt mit Unterstützung von Daniel Schröter am Bass wieder ins Studio und auf Tour begeben haben. Das Comeback von Suse Michel (drums, voc), Conni Maly (git/voc) und Bine Morgenstern (voc/harp/akk/perc) rollt von Anfang an ordentlich los. Morgenstern und Michel wechseln sich mit ihren verschieden-dunklen Stimmfarben ab, der ganz eigene Sound erinnert mich mal an Violent Femmes, dann blitzen plötzlich Alannah Myles oder Andrea Schröder durch. Es ist ein Mix aus Folk, Rock und Country, der trotz Studio nach charmantem Wohnzimmerkonzert klingt. Angenehm unpoliert und doch rund. Kann es sein, dass die Slags damit ihren eigentlichen Sound gefunden haben? Mir scheint ja. Manchmal ist abspecken eben doch gut.

VÖ: 07.09.2018 | Sabotage Concept | 10 Tracks | http://the-slags.de/

 
 
 
 
 
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3) SOPHIE HUNGER - "Molecules"

Electro | Folk (Deutschland)

„Molecules“ ist schon der sechste Longplayer der Musikerin Sophie Hunger und dass sie nicht mehr zu den „best gehüteten Musikgeheimnissen der Schweiz“ gehört, wird klar, sobald man sich ihre Tourlist anschaut: in mehreren Städten spielt sie mit ihrer neuen Band gleich bis zu fünf Konzerte hintereinander. Wer, bitte schön, bekommt diese Hallen alle voll? In Berlin hat sie seit einiger Zeit eine Spielwiese gefunden, wo sie mit anderen zusammen „ungestört scheitern“ (Hunger) kann. Mit ihrem neuen Album geht sie soundmäßig in die Vollen. Dass sie zunehmend auch in Sachen Filmmusik mitmischt (und schon mehrere Preise gewann), ist schon bei den ersten Takten des neuen Albums zu hören. Schon der eindrucksvolle Opener haut mich um („She Makes President“), eine bittersüße Folk Noir-Perle schließt sich an, danach geht es in „There Is Still Pain Left“ um die Depression eines Partners: „Why can’t you see, you should be kissing me?“. Beim verträumten „Coucou“ wird es traurig, wenn man weiß, dass es ein Abschiedslied für zwei Kinder („Ex-Kinder“) ist, von denen sie sich im Zuge der Trennung vom Lebensgefährten auch trennen musste. Nur hier erklingen französische Zeilen, ansonsten singt Hunger auf ihrem Album auf Englisch, um sich, wie sie selbst sagt, nicht mehr hinter ihrem „seltsamen Sprachenmix elegant zu verstecken“. Eine Welt in Auflösung, voller Korruption und Ignoranz, und das eigene Leben voller persönlicher Katastrophen - das könnte düster und schwermütig werden, wird es aber aufgrund von Hungers Bildsprachlichkeit und der Hinwendung zur Elektronik nicht. “Minimal electronic folk” nennt Hunger ihren Stilmix, der weg von „birds“ und „bones“ hin zu Plutonium, Plastik und Nitroglyzerin tendiert. Und dann immer wieder hört man diese überirdisch schöne Stimme. Ganz großes Kino ohne Film.

VÖ: 31.08.2018 | Caroline International | 11 Tracks | https://www.sophiehunger.com/

 
 
 
 
 
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4) TORUN ERIKSEN - "Luxury And Waste”

Jazz (Norwegen)

Ist das Kunst oder kann das weg? Die norwegische Sängerin und Pianistin hat sich auf ihrem sechsten Album eine ähnliche Frage gestellt: Was ist entbehrlich und bloßes Beiwerk und was berührt den Kern meines Songs, wenn ich es wegnehme? „Ich habe nach dem Kern meiner Songs gesucht, und wir haben alles auf das blanke Gerüst heruntergebrochen, es beim Rohen und Unpolierten belassen und versucht, ein ganz besonderes Licht in diese Skizzen zu bringen, die so ihre Vollendung fanden.“ Bei ihrem bis auf das Nötigste ausgezogenen Album hat sie sich als einzigen Begleiter den Bassisten Kjetil Dalland mit ins Studio genommen. Seit zwanzig Jahren arbeitet sie mit ihm, früher hat sie mit ihm die Arrangements für eine ganze Band erarbeitet. Die Einzigartigkeit der Duo-Versionen, die dabei entstanden sind, hat sie nun versucht, auf ihrem neuen Album einzufangen, was ihnen überaus gelungen ist. Dalland begleitet sie reduziert, aber prägnant auf dem E-Bass, erweitert auf einigen Stücken das Klangspektrum um einen Mini-Bass, der auf „Sliding“ und „Dreary Place“ hellere, E-Gitarren-ähnliche Klänge beisteuert. Das Ergebnis ist wunderschön, sehr intim, fragil und nach innen gekehrt. Aber man muss schon genau hinhören, worum es in Eriksens Liedern geht, denn ihrer luftig-kühlen Stimme sind die Emotionen nicht so leicht anzumerken. In ihren Texten geht es um Scham und Schuld, Macht und Machtlosigkeit, sie beschreibt den Kampf von uns Menschen, wir wir versuchen, das Richtige zu tun und oft scheitern. Es geht um den Verlust einer Balance, im Kleinen wie im Großen.

VÖ: 07.09.2018 | Jazzland Recordings | 9 Tracks | http://www.toruneriksen.no/

 
 
 
 
 
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5) ULRIKE HAAGE & CHRISTIAN MEYER“Stills”

Jazz | Electro (Deutschland)

Ohren spitzen und in die Musik eintauchen – heißt es beim neusten Werk der Pianistin und (Film-)Komponistin Ulrike Haage, die gerade erstmals ein Album mit dem Klangkünstler Christian Meyer veröffentlicht hat. Darauf zelebrieren die beiden ein Spiel mit der Stille, mit dem Übergang vom Nichts zu Etwas, mit dem einzelnen Moment. Sie verspinnen akustische und elektronische Klänge so gekonnt miteinander, das manchmal nicht mehr hörbar ist, woher sie stammen. Das Album beginnt mit dem „Tod des Teemeisters“ und endet mit dem 12-minütigen Stück „Mondnacht“, das vom gleichnamigen Gedicht Joseph von Eichendorffs inspiriert ist. Wie die Seele in dem Gedicht, die ihre Flügel weit ausspannt und durch die stille Landschaft fliegt „als flöge sie nach Hause“, breiten sich die musikalischen „stills“ aus, öffnen weite Räume, erzeugen spannende Klanglandschaften, in denen es sich konzentriert schwelgen lässt. Ihre perlenden, melancholischen Klavierklänge werden von Meyers elektronischen Sounds, lässigen Grooves und halligen Gongklängen untermalt. Trotz all der Ruhe, die die Musik ausstrahlt, wirkt sie bisweilen aufgeladen, als stünde sie unter Strom. Haage, die bereits viel Filmmusik geschrieben und mehrere Preise dabei gewonnen hat, möchte mit ihrer Musik an ein „kosmisches Lebensgefühl“ anknüpfen.

VÖ: 31.08.2018 | Blue Pearls Music | 6 Tracks | https://www.ulrikehaage.com/

 
 
 
 
 
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6) ESTHER KAISER – „Songs Of Courage“

Jazz (Deutschland)

Auf ihrem neusten Album holt die Jazzsängerin Esther Kaiser alte Protestsongs aus der Mottenkiste ihrer nostalgischen Einfärbung und stellt einen Bezug zum Heute her. Von Bob Dylans “Masters Of War“ und dem „Earth Song“ von Michael Jackson über „Revolution“ (Beatles) und „This Is Not America“ (David Bowie/Pat Metheny) zur Mutter aller Protestlieder „Where Have All The Flowers Gone“, gesungen in Englisch und Deutsch. Ganz im Sinne von Nina Simones Ausspruch „An artists duty is to reflect the times“ nimmt sich Kaiser so der Themen und der Stimmung in der Gesellschaft an. Dabei fährt sie nie aus der Haut, ein warmer, smoothy Jazzsound serviert die schwere Kost in gut verdaulichen Häppchen. Ein seltsamer Kontrast aus schön gespieltem Jazz und Missstände anprangernden Texten. Dass das Ganze letztlich nicht zu weichgespült daherkommt, liegt vor allem an der spannenden Besetzung. Neben deutschen Jazzmusiker*innen wie Birgitte Flick (sax) und Marc Müllbauer (b) spielen die geflüchteten Musiker Hasan Al Nour aus Syrien und Akram Al-Siraj aus dem Irak mit. So kommen hierzulande eher unbekannte Instrumente wie die Kanun zum Einsatz, Kaiser spielt außerdem die Kalimba und eine Shrutibox.

VÖ: 31.08.2018 | GLM | 13 Tracks | http://www.estherkaiser.de

 
 
 
 
 
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7) MANOU GALLO – „Afro Groove Queen“

R'n'B | Soul | World (Elfenbeinküste)

Geboren in der kleinen Stadt Divo in der Elfenbeinküste zeigt Manou Gallo bereits in ihrer frühen Kindheit eine Obsession für Rhythmus und darf sogar bei Familienzeremonien trommeln. Klar, dass sie auch aus ihrem zweiten Instrument, dem Bass, ein perkussives macht. Sie tourt mit einer bekannten Band aus Abidjan und zieht 2003 nach Brüssel, um bei Zap Mama einzusteigen. Seitdem hat sie sich als Bandleaderin, Bassistin und Sängerin einen Namen gemacht. 2009 wurde ihr der MAMA Award (MTV Africa) als „beste Künstlerin“ der Elfenbeinküste verliehen. Doch als ihr die größten Bühnen offenstanden, erkrankte sie an Tinnitus. Obwohl sie auf einem Ohr fast taub war (und noch heute ist), blieb sie der Musik treu und nutzte eine jahrelange Konzertpause, um ihre Technik am Bass zu verfeinern. Schließlich wurde sie von der Basslegende Bootsy Collins im Internet entdeckt und für ihre 13 neuen Songs in sein Studio eingeladen. Auf vier ihrer Songs spielt er mit, weitere Gäste sind Mitglieder von Zap Mama, Manu Dibango, die Rapper Chuck D. und Aziza Love u.v.m. Das Album ist ein vor Energie strotzendes Feuerwerk aus Afrobeat, Funk, R'n'B, HipHop und Blues, ein Statement für Liebe, Freundschaft, Respekt und Frieden in verschiedenen Sprachen. Die Besetzung ist interessant: durch Gallos wandlungsfähiges Bassspiel werden meist nur Schlagzeug und Percussion benötigt, nur hin und wieder kommen Gitarren und Bläser mit hinzu. Auch die Gesänge grooven und liefern markante Hooks wie zu besten Zap Mama-Zeiten. Besonders eindrucksvoll ist das letzte Stück, in dem sie einen Einblick in ihre täglichen Ohrgeräuschen gibt.

VÖ: 14.09.2018 | Contre Jour | 13 Tracks | http://www.manou-gallo.com

 
 
 
 
 

Auf MELODIVA findet Ihr weitere CD-Reviews von ALISON RAYNER QUINTET, DANA FUCHS, VICTORIA HANNA, ANNA CALVI, DOBET GNAHORÉ, ENKEL, LYNNE ARRIALE TRIO, ANA SILVERA, GERARD GUSE/GINA SCHWARZ/RAMON LOPEZ
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Hildegard Bernasconi, Mane Stelzer, Susanne Peusquens und 
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