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Liebe Melodiven, Freundinnen & Freunde!
Nach dem erschreckenden Ausgang der US-Wahl ist es uns eine besondere Freude, Euch hier zum Ausgleich wunderbare Musikerinnen mit einer Menge Tiefgang, politischem Engagement, Empowerment und klugen Lebensbetrachtungen zu präsentieren! Und es gibt wie immer auch was zu gewinnen: am 21.11. spielt die neue Band von AnNa R. (Rosenstolz) Gleis 8 im Colos Saal in Aschaffenburg und wir haben die Ehre, 2 x 2 Tickets unter Euch zu verlosen. Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Verlosung" und Eurer Postadresse an musik@melodiva.de (Achtung! Deadline: 18.11.2016, 12 Uhr). Und jetzt wünschen wir Euch viel Spaß mit unseren CD-Tipps,
Eurer MELODIVA-Redaktionsteam
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THEMEN – AUSGABE NOVEMBER 2016
1) PRETENDERS – „Alone“ (Rock | Pop) 2) ZRAZY – „The Art Of Happy Accidents“ (Electro | Jazz | Pop) 3) SYNJE NORLAND – „Who Says I Can’t?“ (Kammer-Pop | Folk) 4) CÉLINE BONACINA CRYSTAL Q. – “Crystal Rain” (Jazz) 5) AMANDA RHEAUME – “Holding Patterns” (Folk | Americana ) 6) RIMA KHCHEICH – “Washwishni” (Jazz | World)
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1) PRETENDERS – „Alone“
Rock | Pop (Großbritannien)
Chrissie Hynde’s neues Album unter dem Bandnamen "Pretenders" beginnt mit seinem rumplig-schönen Titellied „Alone“ und klingt wie ein Loblied auf das Alter: „No one to say ‚You’re doing it wrong | I’m at my best, I’m where I belong | Alone | Yeah, I like it, I like being alone | What are you gonna do about it? Hmm? | Absolutely fuck all | I’ll do whatever I want“. Das singt die 65jährige Musikerin in ihrer unnachahmlichen Art und klingt so dunkel und tief wie wir sie lieben. The Pretenders gründete sie 1978, die Bandmitglieder wechselten häufig, zwei Gründungsmitglieder starben bereits nach wenigen Jahren an ihrer Drogensucht. In den 80ern hatten sie Hits wie „Back on the Chain Gang“ oder „Don’t Get My Wrong“, vor zwei Jahren nahm sie schließlich ihr erstes Soloalbum „Stockholm“ auf. Danach sollte eigentlich ein zweites Soloalbum folgen - mit Multi-Instrumentalist Dan Auerbach (Black Keys) machte sie sich ans Werk - aber während der Produktion von „Alone“ muss sich wohl der alte Pretenders-Geist gemeldet haben, denn die treibenden Gitarren und zackigen Arrangements klangen verdächtig nach dem kraftvollen Bandsound der Pretenders. Also beschlossen die beiden, nach acht Jahren Pause ein Pretenders-Album zu produzieren. „Von all meinen Alben liebe ich dieses am meisten. Richtige Musiker spielen richtige Musik. Es hat 48 Stunden gedauert, um jeden Ton zu singen und aufzunehmen. Aber 40 Jahre, um sie vorzubereiten,“ so Hynde zur Platte. Großartige Liebeslieder sind darauf zu finden, von Liebesfrust („Never Be Together“, „Chord Lord“) und leidenschaftlicher Hingabe wie auf „Let’s Get Lost“. Eine Prise 70er, Americana-Ausflüge mit Twang-wang Gitarren, und über allem ihr lasziver Gesang, der zum Schluss im berührenden „Death Is Not Enough“ mündet.
VÖ: 21.10.2016 | BMG Records | 12 Tracks | http://www.thepretenders.com/
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2) ZRAZY – „The Art Of Happy Accidents“
Electro | Pop | Jazz (Irland)
Das Duo Zrazy kommt aus Dublin und besteht aus Maria Walsh (Vocals, Flöte, Perc, Bodhran) und Carole Nelson (Piano, Sax). Mit ihrer neuen CD „The Art Of Happy Accidents“ präsentieren sie einen so ungewöhnlichen wie genialen Mix aus Jazz, irischen Klängen und Electro-Pop. Das geht nicht zusammen? Doch, tut es wohl! Den Teppich bilden coole programmierte Beats, die zu Walsh‘s warmer, schön schwingender Stimme passen, Nelson spielt dazu auf eine entspannte, jazzy Art Klavier oder Keys und die beiden reichern ihre Musik zusätzlich mit tollen Backing-Vocals, Saxophon und – der wunderbaren Klangfarbe der Flöte an. Neben aller Entspanntheit und Freude enthält die „Kunst glücklicher Zufälle“ auch die Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Abschiednehmen wie in „Song For Jim“, „Go Now“ und „Night Crossing“, eine melancholische B-Seite sozusagen, die aber nicht minder schön ist. Ohnehin sind die beiden Musikerinnen streitbare Persönlichkeiten, die kein Blatt vor den Mund nehmen und politische Statements nie gescheut haben. So wurden sie von TV-Sendern boykottiert, weil in ihrem Video eine Kuss-Szene zwischen zwei Frauen zu sehen war; ihre Plattenfirma kündigte den Vertrag, als Zrazy die Telefonnummer 6794700 als Songtitel veröffentlichte (dabei handelte es sich um das Nothilfetelefon für ungewollt schwangere Frauen). Für 2017 ist eine Deutschlandtour geplant – wer sie in ihre/seine Heimatstadt locken möchte, sollte sich hier melden: zrazy-german-gigs@susanne-golnick.de
VÖ: Oktober 2016 | 12 Tracks | Eigenvertrieb: www.zrazy.com
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3) SYNJE NORLAND – „Who Says I Can’t?“
Kammerpop | Folk (Deutschland)
„Who Says I Can’t?“ heißt der trotzige Titel der Künstlerin Synje Norland aus Nordfriesland, die ihr drittes Album erstmals fast im Alleingang produziert hat. Bereits mit den zwei ersten Alben hatte sie sich Anerkennung verschafft, war 2011 für den Musikautorenpreis der GEMA nominiert worden, einige ihrer Tracks wurden für TV-Sendungen, Filme und Werbespots verwendet. Es sprach also nichts dagegen, diesmal noch konsequenter den eigenen Ideen zu folgen. Als kongenialer Partner wirkte Michael Becker mit, der sie schon länger musikalisch begleitet und der dem Album mit seinem Cello eine starke Färbung gibt; alle anderen Instrumente hat sie in ihrem eigenen Studio selbst eingespielt, von Klavier über Schlagzeug und Gitarren bis zu „selbstgebauten“ Beats aus alten klingenden Fundstücken. Dass das nicht in wenigen Tagen zu machen war, erklärt sich von selbst, fünf Jahre hat sie Songs geschrieben, arrangiert und schließlich selbst produziert - fünf Jahre der Auseinandersetzung mit Themen wie Selbstfindung, Verantwortung oder unbegrenztem Wachstum. Herausgekommen ist ein ausdrucksstarkes, dunkles Pop-Album voller eindringlicher Songs wie „Let It Go“, „The Ruler Of The Golden Age“ oder „My Heavy Heart“. Letzteres ist für mich der absolute Höhepunkt des Albums: ein wunderbar schwermütiges Cello bereitet den Boden für Norland’s herzzerreißenden Gesang. Norland sagt in ihrem Booklet: „Hätte ich vorher gewusst, was auf mich zukommt – vielleicht hätte ich es mir anders überlegt. Es sollte eine sehr intensive und lange Reise werden, deren Weg oft mit Steinen aus eigenen und fremden Zweifeln gepflastert war“. Wir finden, diese Reise hat sich definitiv gelohnt!
VÖ: 21.10.2016 | Norland Records | 12 Tracks | http://www.synjenorland.com/
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4) CÉLINE BONACINA CRYSTAL QUARTET – “Crystal Rain”
Jazz (Frankreich)
Das Céline Bonacina Quartet entstand 2014 als Auftragsensemble für den NDR: die Bandleaderin, eine erfolgreiche Bariton- und Sopransaxofonistin, die zu den „rising stars“ der europäischen Jazzszene gezählt wird, traf auf die virtuosen Musiker Gwilym Simcock (Piano), Chris Jennings (Bass) und Asaf Sirkis (Schlagzeug/Perc). Die Chemie stimmte und einer weiteren Zusammenarbeit stand nichts mehr im Wege. „Crystal Rain“ ist nun das erste Werk des Quartetts, aber das dritte Album Bonacinas. Sie hat sich dabei vom Bild des Bergkristalls inspirieren lassen: „Er wurde zu einem Quell der Balance, der manchmal etwas aussendet und manchmal etwas empfängt. Er reguliert und divergiert in einer höchst unterschwelligen Weise. Der Bergkristall reflektiert Licht und bringt Harmonie. (…) Ein Verlangen, Zeit und mehr Balance zu gewinnen und gleichzeitig die Freude und Unschuld unseres kindlichen Herzens zu bewahren“, erklärt Bonacina ihre Faszination. Die Klangvielfalt, die sie mit ihren beiden Saxofonen abdeckt, ist groß. Gleich beim Opener, dem leichtfüßigen „Smiles for Serious People“, sind beide zu hören, das kristallklare Sopran- und das etwas schwerfällige Baritonsaxofon, das sie mal mit viel Luft spielt, mit dem sie dann wieder erstaunlich schnelle Soli und groovige Basslines hervorbringt. Die Vorstellung von einer „Bergkristall-ähnlichen Musik“ zeigt sich vielleicht am ehesten im ständigen Geben und Nehmen, im perfekten Austausch des Ensembles. Bonacina nennt es das „selbstlose Bedürfnis, Harmonie zu teilen“.
VÖ: 04.11.2016 | Cristal records | 10 Tracks | http://www.celine-bonacina.com/
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5) AMANDA RHEAUME – “Holding Patterns”
Folk | Americana (Kanada)
Anderen eine Stimme zu geben, dass Geschichten nicht verloren gehen – das ist wohl eine der Hauptantriebsfedern der indigenen Singer-/Songwriterin Amanda Rheaume aus Ottawa/Kanada. Auf ihrem für den JUNO (der kanadische Grammy) nominierten letzten Album „Keep A Fire“ setzte sie ihren von Rassismus und Ausgrenzung betroffenen Ahnen ein Denkmal. Mit einer Single-Auskopplung ihres neuen Albums gibt sie nun Tausend indigenen Frauen und Mädchen eine Stimme, die in den vergangenen Jahrzehnten in Kanada verschwunden sind oder ermordet wurden und deren Fälle nie aufgeklärt wurden (mit dem Song "Red Dress" sammelt sie Geld für das „Native Women’s Association of Canada’s Safety and Violence Prevention Program“). Dieser Song und viele persönliche Geschichten auf dem Album bekommen durch den rootsy Folk-Country-Pop ihrer Band "The Great Unknown" ein stimmiges und gefühlvolles Kleid. Tolle mehrstimmige Gesänge, typische Americana-Klangfarben wie Banjo, Pedal Steel, Mandoline oder Trompete machen diese Scheibe zu einem unaufgeregt-schönen Soundtrack. Mit ihrer leicht rauhen Stimme – die schon mit Joan Baez und Joni Mitchell verglichen wurde – erzählt sie von schwierigen Beziehungen, aus denen es auszubrechen gilt ("Dead Horse“), vom Abwerfen unnötigen Ballasts, um an den eigenen Träumen arbeiten zu können („Wolf Of Time“) und davon, Ängste überwinden und sich immer wieder aufs Neue auf jemanden einlassen zu können.
VÖ: 21.10.2016 | IMG/Big Lake Music | 12 Tracks | http://www.amandarheaume.com
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6) RIMA KHCHEICH – “Washwishni”
Jazz | World (Libanon)
Eine wunderschöne Musik aus dem Libanon wurde kürzlich auf dem holländischen Label Jazz im Motion veröffentlicht: die Sängerin Rima Khcheich zählt zu der „jüngeren“ Generation von MusikerInnen im Libanon und ist für ihren klassischen arabischen Gesang bekannt, den sie in ihrer Musik zu einem zeitgenössischen, neuen Klang verwandelt. Mit europäischen Musikern an Klarinette, Bass, Gitarre, Percussion und Trompete sowie dem Amsterdamer Streichquartett Dudok Kwartet nahm sie 15 Songs auf, die das Beste aus zwei Welten in sich vereinen: die schönen Melodien und komplexen Rhythmen der arabischen Musiktradition und die Harmonie und Improvisation der europäischen Musik. Ihre Stücke sind ein satirischer Kommentar auf die Sorgen und Nöte der jungen arabischen Generation und handeln von Immigration, Religion, Revolution und Liebe. Ein grandioser Mix, der sich bei jedem Zuhören immer mehr anreichert.
VÖ: 04.11.2016 | Jazz in Motion | 15 Tracks | http://www.rimakhcheich.com/
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