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Liebe Melodiven, Freundinnen & Freunde!
Für alle JazzfreundInnen unter Euch haben wir in diesem Newsletter enorm viele gute Tipps - aber es gibt auch schöne und schräge Indie-Perlen zu entdecken. Und da wir wie immer nicht alle CD's besprechen können, die wir zugeschickt bekommen, nutzen wir die Gelegenheit, mit unserer Verlosung auf eine weitere Scheibe aufmerksam zu machen: SYLVIA VRETHAMMAR hat mit ihrem aktuellen Album "The Girl From Uddevalla" (VÖ: 24.03., Chaos) ihre ganz persönliche Hommage an Brasilien und seine Musik veröffentlicht. Wir verlosen 2 Exemplare unter allen, die uns bis 22.05.2017 eine Mail mit dem Betreff "Verlosung" und ihrer Postadresse zuschicken. Viel Spaß beim Lesen & Lauschen!
Eure Mane & das MELODIVA-Redaktionsteam
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THEMEN – AUSGABE MAI 2017
1) JESCA HOOP – "Memories Are Now" (Indie | Alternative) 2) NO TANGO – "Eleven" (Jazz) 3) MARIALY PACHECO – "Duets" (Jazz) 4) GISELA JOÃO – "Nua" (Fado) 5) LA TOURETTE – "The Great Mickey Mouse Swindle" (Pop | Indie | Jazz) 6) HÉLOÏSE LEFEBVRE & PAUL AUDOYNAUD – "Sun Dew" (Jazz | Rock)
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1) JESCA HOOP – "Memories Are Now"
Alternative | Indie (USA)
Das schafft auch nicht jede/r: die US-amerikanische Singer-/Songwriterin Jesca Hoop eröffnet ihr neues Album mit dem immer gleichen, kratzigen E-Gitarrenriff, der das gesamte Stück durchzieht; allein mit ihrem Gesang baut sie den Song auf. Auch im zweiten Stück „The Lost Sky“ entsteht ein regelrechter Sog, in dem sie fast atemlos immer wieder ihre Geschichte „erzählt“, bestrickend schön. Mit wenigen Mitteln ist alles erreicht, allein der Songwriterkollege und Produzent Blake Mills (Fiona Apple, Laura Marling) ergänzt mit weiteren Gitarren, Bass und Schlagzeug ihr schönes Gitarrenspiel. Es ist vielleicht ihre unkonventionelle Art zu singen, wie sie die Verse aufteilt, die diese Songs so besonders machen. Oder die vielschichtigen Arrangements. Auf jeden Fall aber ihre Stimme, die kehlig-tief und warm ist, sich aber auch in klare Höhen aufschwingen kann. Oder die klugen Texte der 42jährigen: im kapverdisch anmutenden „Animal Kingdom Chaotic“ macht sie die Macht der Computer zum Thema, die sogar töten kann. Im düster-schönen „Songs Of Old“ setzt sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinander, die vom Mormonen-Glaube der Eltern geprägt war (ihr aber auch den Chor-Gesang in die Wiege gelegt hat). Eine wunderschöne Ballade ohne Trara ist „Pegasi“, „Unsaid“ ein herzallerliebster, kluger Aufschrei, um ihren Lover zurückzuholen. Er klingt wie eine kleine Reminiszenz an Tom Waits, der mal ihr Mentor war. Kurz: das Album „Memories Are Now“ ist ein echter Hinhörer - lange nicht mehr sowas Schönes gehört.
VÖ: 10.02.2017 | Sub Pop | 9 Tracks | http://www.jescahoop.com/
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2) NO TANGO – "Eleven"
Jazz (Deutschland)
Wer das Glück hatte, am 8.3. beim MELODIVA Club Concert in der Frankfurter Art Bar dabei zu sein, kam schon in den Genuss des neuen Albums der Formation No Tango. Diese präsentiert auf „Eleven“ elaborierte Kompositionen von Christina Fuchs (sax, cl) und Ulla Oster (kb). Der Titel entstand, weil Fuchs und Oster „viele 10er und 11er geschrieben“ haben, wie sie selbst sagen; er passt aber auch zu der Tatsache, dass die zwei mit Christoph Hillmann (dr, perc) und Florian Stadler (acc) bereits seit elf Jahren zusammenspielen. Bei ihren Kompositionen ließ sich Fuchs von den geschichtenreichen Bildern von Paul Klee inspirieren, die auch im Booklet abgebildet sind. Los geht es mit dem Stück „Zwitschermaschine“, in dem Stadler’s Akkordeon und Fuchs‘ orientalisch angehauchte Klarinette im Duett zwitschern. Das Stück „Schellenengel“ wird von einer Kalimba auf seinen Weg geschickt, „Der Seiltänzer“ greift den Balanceakt zwischen Tango und Jazz auf und lässt das Kontrabass-Spiel von Ulla Oster in den Vordergrund rücken. Für das rhythmisch vertrackte „Ad Parnassum“ hat Fuchs mit ihrer Bigband den WDR-Jazzpreis (2014) gewonnen. In Oster‘s „Tiptoe“ scheinen die vier auf Zehenspitzen zu tanzen, um dann in „Chacarera (drunken)“ das Wechselspiel von Taumeln und wiedererlangter Kontrolle zu beschreiben. Es ist spannend, wie die vier ausgefuchsten MusikerInnen miteinander agieren, wie sich furiose, schnelle Parts mit ruhigen Passagen abwechseln, in denen sich nicht nur das Ohr wieder erholen und Neues aufnehmen kann, sondern auch die einzelnen Bandmitglieder Raum bekommen, um ihre Ideen zu entwickeln.
VÖ: 02.05.2017 | Wismart | 7 Tracks | http://christina-fuchs.de
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3) MARIALY PACHECO – "Duets"
Jazz (Kuba)
Die Idee ist genial: für ihr neues Album ist die Jazzpianistin Marialy Pacheco in den musikalischen Kosmos von sechs von ihr verehrten Künstlern eingetaucht. „I stepped into their musical world, chose a tune that spoked to me and arranged it for a Duo, always keeping in mind the authenticity of the artist“. In diesen “Rendezvous” trifft die Kubanerin, die vor vielen Jahren nach Deutschland gezogen ist, zum ersten Mal auf den Mandolinenspieler Hamilton de Holanda aus Brasilien, den Kubaner Omar Sosa am Piano und den Puerto-Ricaner Miguel Zenon, der als Saxophonist in New York lebt. Mit dem Ulmer Trompeter Joo Kraus und dem marokkanischen Percussionisten Rhani Krija, der in Köln eine neue Heimat gefunden hat, musiziert sie schon länger, auch den deutschen Sänger Max Mutzke kannte sie bereits vorher. Die Stücke, die aus diesen Begegnungen in den Bauer Studios in Ludwigsburg entstanden sind, klingen mal berührend-melancholisch wie der Opener „El Bola“ und das von Max Mutzke gesungene „You“, atemberaubend temporeich wie im sehnsuchtsvollen „Capricho do Sul“ oder dem rastlosen „Metro“, in dem sie sich eine imaginäre U-Bahn in Havanna erträumt. In „Gitanerias“ und „La Bikina“ spielt Pacheco gar mit sich selbst und featured dabei eine Komposition des Kubaners Ernesto Lecuona sowie ein Volkslied, mit dem sie ihren mexikanischen Wurzeln auf den Grund geht. Pacheco erweist sich als ungemein fingerfertig und technisch exzellent, aber auch gefühl- und seelenvoll, was in den ruhigen Passagen besonders gut zur Geltung kommt.
VÖ: 21.04.2017 | Neuklang | 9 Tracks | http://www.marialypacheco.com/
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4) GISELA JOÃO – "Nua"
Fado (Portugal)
Die 33jährige Fadosängerin Gisela João stammt aus dem ländlichen Norden Portugals und zog 2011 nach Lissabon, um sich ganz der Gesangskarriere zu widmen. Ihr Debütalbum (2013) katapultierte sie relativ rasch in die Charts, erreichte Goldstatus und brachte ihr Gastspiele in Paris und London und diverse Preise ein (Amália Best New Artist Award, Globo de Ouro). “Der Fado, so wie ich ihn fühle, hat keinen Glanz. Ich bin ganz nackt, während ich singe, lebe nur den Text. Ich möchte in meinen Zuhörern durch eine raue Atmosphäre Gefühle erzeugen, Tricksereien irgendwelcher Art verabscheue ich”, sagt die portugiesische Sängerin über ihr neues Album, dem sie folgerichtig den Titel “Nua” (Nackt) gegeben hat. Ihre Songs erzählen von der verlorenen Liebe, vom fantasierten Liebhaber, vom Irrgarten der Erwartungen und Hoffnungen, von enttäuschten Lebensträumen, aber auch fröhliche und ausgelassene Geschichten über grüne Männchen und Dorffeste. Die singt sie mit warmer und dunkler Stimme, voller Leidenschaft, aber ohne falsches Pathos, begleitet von den gefühlvollen, wunderschönen Gitarrenklängen des Begleittrios. Mein persönliches Lieblingsstück: “Sombras do passado” (Schatten der Vergangenheit).
VÖ: 28.04.2017 | Flowfish Records | 13 Tracks | http://giselajoao.com
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5) LA TOURETTE – "The Great Mickey Mouse Swindle"
Pop | Indie | Jazz (Deutschland)
Wir wissen es nicht: trägt das Duo Tonia Reeh & Rudi Fischerlehner seinen Namen bewusst als Anlehnung an die bekannte zentralnervöse Bewegungsstörung, die sich in Tics verschiedenster Ausprägung zeigt? Die Musik ihres Debüts lässt dies jedenfalls vermuten: “Das, was sonst heruntergeschluckt, als zu verrückt, zu absurd oder zu schön gelten würde, kann nun im musikalischen Freakroom als La Tourette erklingen”, heißt es im beiliegenden Pressetext. “We are an high energetic acoustic live duo”, sagen die beiden über ihr Projekt, das seit einigen Jahren besteht. Und wie Tonia Reeh schon mit ihrem One-Women-Projekt Monotekktoni eher kratzbürstig daherkam, beweist sie auch in ihrer neuen Formation wieder eine Abneigung gegen das Gefällige. Zwar gehen ihre grandios- dunklen Pianoklänge mit dem vielseitigen Jazz-Impro-Schlagzeug Fischerlehners genial zusammen und es entstehen betörende, melancholische Instrumentalparts. Aber obenauf steht ihr eindringlicher, hallender Gesang, verlangt unsere Aufmerksamkeit, agitiert, faucht, wiederholt sich endlos, und setzt einen merkwürdigen, aber irgendwie auch interessanten Kontrast. Frau kann sich einhören in diese Welt, aber bei mir hat es eine Weile gedauert. Anspieltipp: “Under The Table”, “Grime”.
VÖ: 05.05.2017 | Solaris Empire | 11 Tracks | http://toniareeh.de/
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6) HÉLOÏSE LEFEBVRE & PAUL AUDOYNAUD – "Sun Dew"
Progressive Jazz (Frankreich)
Sun Dew heißt die Formation um Héloïse Lefebvre (Violine, Viola) und Paul Audoynaud (Gitarre), die sich mit Cello (Liron Yariv) und Kontrabass gleich zwei tiefe Klangerzeuger leistet, und mit Drums, Piano/Fender Rhodes/Wurlitzer und Lap Steel Gitarre über weitere Klangfarben verfügt. Entstanden ist die sechsköpfige Band als Erweiterung eines Duos von Lefebvre und Audoynand, die seit 2012 zusammen Musik machen und in Berlin den perfekten Ort dafür gefunden haben. „Sun Dew“ heißt ihr Debütalbum und es präsentiert neun fesselnde Eigenkompositionen von Lefebvre und Audoynaud, spannend arrangiert und virtuos gespielt, die vor allem durch die Mischung aus Jazzrock-Band und Kammermusik außergewöhnlich werden. Fazit: Nicht so klebrig wie die gleichnamige, fleischfressende Pflanze (Sonnentau), aber genauso spannend.
VÖ: 12.05.2017 | Laborie Jazz | 9 Tracks | https://www.sun-dew.com/
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Auf MELODIVA findet Ihr weitere CD-Reviews von K. FLAY, SOPHIA KENNEDY, VALERIE JUNE, TORI FREESTONE, YVONNE MWALE, OVERCOATS, SHE-DEVILS, u.v.m.... sowie Infos, Reports und Konzert- und Workshoptermine: http://www.melodiva.de.
Wenn Ihr Tipps & Infos für den nächsten Monat habt, meldet Euch wie immer bei uns unter musik@melodiva.de!
Wer diesen Newsletter trotz seines überaus informativen, sorgfältig recherchierten und interessanten Gehalts in Zukunft lieber nicht mehr bekommen möchte, kann sich hier austragen.
Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas:
Hildegard Bernasconi, Mane Stelzer und
die Vorstandsfrauen: Lexi Rumpel und Gabi Rummel
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fon: +49 (0)69-4960-848
IMPRESSUM: FRAUEN MUSIK BÜRO,
ein Projekt des Trägervereins: Frauen machen Musik e.V.,
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