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Liebe Melodiven, Freund*innen & Musikinteressierte,
hier kommt wieder eine sorgsam zusammengestellte Playlist: von echten Künstler*innen, die echte Musik machen, von echten Menschen empfohlen! In diesem Monat erstmals unterstützt von unserer Praktikantin Clara, die in den nächsten Monaten in unserem Team mitarbeiten wird. Sie hat ein Faible für Metal und Punk, sodass die CD-Tipps in Zukunft noch vielseitiger aufgestellt sein werden. Ich freu mich riesig - herzlich Willkommen, liebe Clara!
Ich hatte neulich ein krasses Erlebnis. In meinem Yogakurs wurde ein berührendes Lied gespielt, und als ich die vermeintliche Urheberin recherchieren wollte, kam heraus, dass es sich um KI-Musik handelt, die täuschend echt klang. Inzwischen werden auf Streaming-Plattform nämlich 106.000 KI-SONGS hochgeladen - TÄGLICH! DEEZER hat deshalb ein internes AI Music Detection System eingeführt und entfernt KI-Musik regelmäßig, auch Qobuz löscht KI-generierte Musik und gibt Musikinhalte nicht zum Training externer KI-Modelle und -Trainings frei. Weil zum Training von KI echte Musik verwendet wurde, ohne die Urheber*innen zu vergüten, verklagen US-amerikanische INDIE-ACTS GOOGLE gerade. PRO MUSIK fordert in einer Stellungnahme Streamingdienste wie Spotify u.a. dazu auf, KI generierte Musik wenigstens zu kennzeichnen.
Neben dem fragwürdigen Umgang mit KI generierter Musik wird zu Recht gefordert, dass Künstler*innen endlich mehr am Streaming verdienen sollen. Beim Erlösmodell nach dem PRO-RATA-SYSTEM verdienen nur die Musikschaffenden mit den meisten Streams und die Majorlabels, die meisten Musiker*innen gehen leer aus. Deshalb fordern sie schon länger ein nutzerzentriertes Vergütungsmodell, nach dem das Abo-Geld nur an die Musiker*innen ausgeschüttet wird, die tatsächlich gehört werden. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat deshalb Musiker*innen und die Musikindustrie zu Runden Tischen eingeladen - ob mit echtem Ergebnis bleibt abzuwarten. Also: kauft Musik am besten auf Bandcamp, bei den Bands selbst oder im Plattenladen und wenn ihr sie unbedingt streamen wollt - auf Plattformen, die Künstler*innen fair bezahlen und gegen KI vorgehen wie z.B. Qobuz oder Tidal! Um "Echtheit" und den Kern des kreativen Schaffens geht es auch beim neuen Album "My World Is The Sun" (VÖ: 20.02.) der kanadischen Musikerin DOMINIQUE FILS-AIMÉ. Darauf verbreitet sie eine optimistische still going strong-Attitude wie auf der Single "Going Home". Wir verlosen ein Exemplar unter allen, die uns bis 18.03.2026 per Mail eine Antwort auf folgende Quizfrage senden: „Welcher der hier vorgestellten Songs war der offizielle Song der Malmö Pride 2025?“.
Viel Spaß beim Lesen und Lauschen, Eure Mane & Clara
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THEMEN-AUSGABE MÄRZ 2026
1) BLACK SEA DAHU – „Everything“ (Folk | Indiepop) 2) LAURA CHAVEZ – „My Voice“ (Blues | Soul) 3) MONIKA HERZIG – „Transparent“ (Jazz) 4) YOUN SUN NAH – „Lost Pieces“ (Jazz | Indie | Pop) 5) SOUAD MASSI – „Zagate“ (Rock | World) 6) THE GUILT – „Naked Rat Dance" (Punk)
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1) BLACK SEA DAHU – „Everything“
Folk | Indiepop (Schweiz) „Ich habe kein Album gemacht. Ich habe einen Ort gebaut, um diese Trauer auszuhalten“, kündigt die Songwriterin Janine Cathrein das neue, dritte Album „Everything“ ihrer Band Black Sea Dahu an. Darauf verarbeiten Janine und ihre Schwester Vera den Verlust ihres Vaters, der 2022 kurz vor seiner Pensionierung einen Herzinfarkt erlitten hatte. Sie zogen sich dafür mit ihrer Band in die Schweizer Berge inmitten eines uralten Waldes zurück. „Der Wald dort ist eigenartig“, sagt die Leadsängerin. „Er fühlt sich lebendig an, als würde er beobachten und zuhören.“ Nun könnte man meinen, dass das Album ein sehr trauriges Werk ist. Doch „Everything“ legt sich wie ein warmer Umhang auf die Seele. Bittersüße Poesie reflektiert Tod und Neubeginn, endlose Kreisläufe wie im Opener „Ants On The Wall“ mit der tröstlichen Zeile: „No one ever leaves at all“. Im Song „One Day Will Be All I Have“ wünscht sich Janine, einen letzten Tag mit ihrem Vater zu verbringen. "Wie ein Fest" habe sie dieses Lied mit Streichern, Bläsern und Klarinette für ihn instrumentiert, sagt sie in einem Interview. Im cineastischen „Dragon“ erhebt sie sich als Überlebende und lernt, wieder Feuer zu speien. Black Sea Dahu haben einmal mehr ein magisches Album geschaffen, das Kammerpop, Folk (Noir), Filmmusik und Indiepop auf geniale Weise miteinander verschmelzt und mit einnehmend schönen Melodien verzaubert. Video
VÖ: 20.02.2026 | Mouthwatering Records | Shop | Infos
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2) LAURA CHAVEZ – „My Voice“
Blues | Soul (USA)
Eine spannende Neuveröffentlichung verkündete neulich das Blueslabel Ruf Records: das Solo-Debüt „My Voice“ der amerikanischen Gitarristin Laura Chavez. 2023 gewann sie als erste und bislang einzige Frau einen Blues Music Award in der Kategorie Instrumentalist – Guitar. Die gebürtige Kalifornierin arbeitete u.a. als Gitarristin für Candye Kane, ging mit ihr auf Blues Caravan Tour 2005 & 2008 und spielte unzählige Konzerte an der Seite von Nikki Hill, Vanessa Collier oder Mitch Ryder. Auf der diesjährigen Blues Caravan Tour ist sie im Herbst erstmals als Solokünstlerin zu erleben. Das Material für ihr eigenes Werk entstand auf Tour. Und obwohl sie es gewohnt ist, mit Leadsänger*innen zu arbeiten und sie kein Fan von Instrumentalalben ist, ist „My Voice“ genau das. „I had to find my place in that and showcase my strengths. Those aren’t about wailing for five minutes“, erklärt sie in einem Interview. Ihre 10 Blues-Tracks mit Einflüssen von Soul, R’n‘B und Country, hat sie live mit drei weiteren Musiker*innen eingespielt, schnörkellos, aber extrem mitreißend und groovig. In ihren Soloparts lässt sie tief in ihre Seele blicken. „You have to be real and authentic or it wouldn’t work“, sagt sie über das Blues-Genre. Fast jedes Stück enthält auch einen Turbo-Booster, bei dem sie mit ihrer Band – u.a. Léa Worms an Piano & Orgel - die Energie hochdreht und ordentlich Gas gibt. Video
VÖ: 30.01.2026 | Ruf Records | 10 Tracks | Shop | Infos
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3) MONIKA HERZIG – „Transparent“
Jazz (USA) Die Jazzpianistin und Komponistin Monika Herzig engagiert sich seit vielen Jahren für Gendergerechtigkeit in der Musik. Auf ihrem neuem Album setzt sie jetzt ein weiteres mutiges Statement, das sich der grassierenden Transphobie in den USA entgegenstellt. Trans* Personen werden dort zunehmend negiert und ausgrenzt, allein 2025 wurden mehr als 120 Anti-Transgesetze verabschiedet. Herzig nutzte eine mehrwöchige Künstlerresidenz, um sich diesem wichtigen Thema mit ihrer Band zu widmen. Herzig und ihr Partner Peter Kienle (Gitarre) sind selbst Eltern einer Trans* Person, sie haben aber auch intensive Gespräche mit anderen Eltern von Transgender Kids geführt. Diese gesammelten Erfahrungen haben sie auf "Transparent" in klug gestaltete Musik gegossen. Da ist zum einen das Glück darüber, in der neuen Identität endlich die eigene Stimme gefunden zu haben („Look Out“, „Invincible“) und wie es ist, die Wandlung als Familie liebevoll zu begleiten ("Dance In Harmony"). Auf der anderen Seite müssen sie erleben, wie ihre Kinder zu Sündenbocken erklärt und ausgegrenzt werden („Shadow“). Monika Herzig und ihre sechsköpfige Band - u.a. mit der Mexikanerin Karina Colis am Schlagzeug - haben aus diesen emotionalen Achterbahnfahrten eine spannungsreiche, vielschichtige und rhythmisch komplexe Jazzmusik gemacht. Das Album schließt mit einer eigenwilligen Instrumentalversion von „Your Song“ von Elton John. Video
VÖ: 06.03.2026 | DL Media Music | 11 Tracks | Infos
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4) YOUN SUN NAH – „Lost Pieces“
Jazz | Indie | Pop (Südkorea) Youn Sun Nah aus Seoul wuchs in einer musikalischen Familie auf, sang in ihren Zwanzigern mit dem Korean Symphony Orchestra Gospel und trat in Musicals auf. Sie studierte Jazz und französischen Chanson und schaffte 2001 mit ihrem Debütalbum „Reflet“ den Durchbruch. Nach ihrem ersten Album mit ausschließlich eigenen Songs ("Waking World“), kehrt die preisgekrönte Sängerin, Songwriterin und Performerin jetzt mit „Lost Pieces“ zurück. Darauf zieht sie alle Register! Mit ihrer facettenreichen, kraftvollen Stimme singt sie mit viel Gefühl von schlaflosen Nächten voller Liebeskummer, zeichnet eine „Karte des Schmerzes“, sehnt sich nach einem Zuhause. „Still a stranger to my home | I'd return, but where's the place | Where I can rest and just be me | And find the place where I feel free?“, heißt es im großartigen „My Home“. Andere Songs handeln von Liebesbeziehungen, die sie bereut oder vom Kollaps der Welt. Jeder Song ist ein Kleinod für sich, mit markanten Melodien, toll gestalteten Klanglandschaften und expressivem Gesang. Alles greift auf spannende Weise ineinander in diesen komplett in Eigenregie geschriebenen und komponierten Tracks: Streicher, E-Gitarren, Mandoline, Marimba, Vibrafon, Bläser und vieles mehr, songdienlich und sparsam zum Einsatz gebracht. Im März live in Deutschland zu erleben. Video
VÖ: 20.02.2026 | Warner Music | 11 Tracks | Shop | Infos
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5) SOUAD MASSI – „Zagate“
Rock | World (Frankreich/Algerien) Die in einem Arbeiterviertel in Algier aufgewachsene, mehrfach preisgekrönte Musikerin Souad Massi lebt seit 1999 in Frankreich. Ihr neues Album heißt „Zagate“ und es präsentiert „elf brennende Fragmente, in denen Rock, Blues und Afrobeat das Gerücht einer Welt transportieren, die ins Wanken geraten ist: Kriege, Hass, verwüstete Länder, unschuldige Opfer“. Der Titel leitet sich von dem in Algerien verwendeten Begriff „ça se gâte“ ab, der eine Lage umschreibt, die sich verschlechtert. Sie wolle Schönes und Gutes hervorrufen, aber vor allem auch anklagen, sagt sie über ihr Album. So macht sie Armut, Kinderarbeit, Ausbeutung und Rassismus zu Themen ihrer Songs. Mit einer hochkarätigen Band, die zum großen Teil aus britischen Begleitmusikern von Robert Plant besteht, hat sie mit "Zagate" einen ungewöhnlichen Soundtrack aufgenommen, der Folk, Rock und nordafrikanische Klängen und Rhythmen vereint. Mit dem Rapper Gaël Faye erinnert sie in „D’Ici, de là-bas“ daran, dass Schmerz keine Grenzen kennt, Blut nur eine Farbe hat und dass die Menschen eins sind. Im zweiteiligen Track „L’Equation“ (Gleichung) beschreibt sie, wie Unwissenheit zu Gewalt führt. Das Album "vermittelt die Wut, die Zärtlichkeit und das Licht all dessen, was ich nicht länger verschweigen konnte“, schreibt Massi. Video
VÖ: 06.03.2026 | Backingtrack Production | 11 Tracks | Infos
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6) THE GUILT – „Naked Rat Dance"
Punk (Schweden) Laut, energisch und vor allem tanzbar. So würde ich das aktuelle Album “Naked Rat Dance” des Riot-Grrrl-Elektropunk-Duos The Guilt aus Malmö am ehesten beschreiben. Emma Anitchkas Vocals vermitteln eine wunderbar befreiende I-Don't-Care-Attitude, während Lizzys Gitarrenriffs dafür sorgen, dass niemand stillsitzen kann. Wie ein YouTube-Kommentar unter ihrem Musikvideo zu “Naked On My Own” treffend beschreibt: “Punk energy wrapped in neon sparks, I’m obsessed.” The Guilt haben es geschafft, besagte Punk- und Riot-Grrrl-Energy mit elektronischen Elementen zu verbinden und liefern damit den perfekten Soundtrack für ein kathartisches “Wut-Raustanzen”. Das zeigt sich bereits im Opener „Red Light“, der mit treibenden Gitarren und Vocals überzeugt, die zugleich offensiv und erstaunlich leicht wirken. “Weaponry” fängt den “klassischeren” Riot-Grrrl Charakter ein: direkt und ein bisschen rotzig. "Our Feline House” schließlich gilt als eine queere Hymne und war dementsprechend nicht ohne Grund der offizielle Song der Malmö Pride 2025. Die Lyrics bewegen sich zwischen persönlicheren Themen, gesellschaftskritischen Momenten und natürlich der puren Lust, einfach zu tanzen. Wer wie ich ein Fan von female rage und Songs mit Moshpit-Charakter ist, kann mit diesem Album definitiv nichts falschmachen. Video
VÖ: 16.01.2026 | Icons Creating Evil Art | 11 Tracks | Infos
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Auf MELODIVA findet Ihr weitere neue CD-Reviews zu LINA_ & MARCO MEZQUIDA, KARI BREMNES u.a. von Fee Kuhn sowie Infos, Reports und Konzert- und Workshoptermine.
Wenn Ihr Tipps & Infos für den nächsten Monat habt, meldet Euch wie immer bei uns unter musik@melodiva.de!
Wer diesen Newsletter trotz seines überaus informativen, sorgfältig recherchierten und interessanten Gehalts in Zukunft lieber nicht mehr bekommen möchte, kann sich hier austragen. Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas:
Verena Höfle, Belqis Schuber, Hildegard Bernasconi & Mane Stelzer und
die Vorstandsfrauen: Nina Hacker und Katrin Zurborg.
Copyright – http://www.frauenmusikbuero.de,
http://www.melodiva.de
fon: +49 (0)69-4960-848
IMPRESSUM: FRAUEN MUSIK BÜRO,
ein Projekt des Trägervereins: Frauen machen Musik e.V.,
Roßdorferstr. 24, 60385 Frankfurt, Vereinsregister Frankfurt Nr.: 9878
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