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Liebe Melodiven, Freund*innen & Musikinteressierte,

nach einem Monat Pause kommen hier wieder neue CD-Tipps ins Haus geflattert! Ich hoffe, ihr habt es schön und stimmt euch schon ins Wochenende ein. Die passende Musik gibt es hier... 

Zu gewinnen gibt es heute auch etwas: Malika Alaoui sang die Hauptrolle im Programm "Alegria" und tourte vier Jahre mit dem Cirque du Soleil um die Welt. Ob mich damals in den 90ern bei einer Zirkusvorstellung ihre Stimme oder die einer anderen Sängerin begeisterte, weiß ich nicht. Ihr Projekt MAEMO, mit dem sie jüngst die EP „Afropean nomad chansons“ veröffentlicht hat, gefällt mir jedoch ausnehmend gut. Darin mischt sie Klänge aus Nord- und Westafrika mit karibischen Rhythmen, Blues, Chanson und Gypsymusik (VÖ: 06.06.). Wir verlosen ein Exemplar unter allen, die uns bis 22.07. die Antwort auf unsere heutige Quizfrage per Mail schicken: "Welche hier vorgestellte Künstlerin verarbeitet eine Bach-Arie auf ihrem neuen Album?" Die Antwort findet ihr wie immer im Newsletter.

Viel Spaß beim Lesen und Lauschen,

Eure Mane & das MELODIVA Team

PS: Die hier vorgestellten Alben stelle ich am Freitag, 25.07. um 13 Uhr inklusive Hörproben in der Sendung "Abgehört" bei Radio Rebell vor (auf Mixcloud nachzuhören)

 
 
 
 
 
THEMEN-AUSGABE JULI 2025

1) OLIVIA TRUMMER – „Like Water“
(Jazz)
2) MONIKA ROSCHER BIGBAND –
„Witchy Activities LIVE“
(Jazz | Avant-Pop)
3
AMBRE CIEL – „still, there is the sea“
(Pop)

4) ALMA NAIDU – „Redefine“
(Jazz | Singer-/Singwriter)

5) SOPHIE TASSIGNON – „A Slender Thread“
(Experimental | Jazz | Folk)
6) TANIA SALEH –
"Fragile"

(Folk | Alternative Rock | Jazz)

 
 
 
 
 
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1) OLIVIA TRUMMER – „Like Water“

Jazz (Deutschland)

Auf ihrem neuem, elftem Album und ersten Solowerk „Like Water“ können wir der Pianistin, Sängerin und Komponistin Olivia Trummer bei ihrem glückseligen Workflow zuhören. Wie sie in ihrer intimen, fast selbstvergessenen Darbietung ihren Gesang und ihr Spiel auf dem Flügel miteinander verwebt, wie sie mit viel Gefühl von Vergänglichkeit und von einer Raum und Zeit überwindenden Liebe singt - das ist unvergleichlich und sehr besonders. Das fand auch der 80jährige US-Produzent Russ Titelman, der bereits mit Steve Winwood, George Harrison, Eric Clapton und Rickie Lee Jones gearbeitet hat. Er stieß durch Zufall auf ein Video der Musikerin und war so begeistert, dass er mit ihr ein Soloalbum produzierte. 19 Songs sind dabei entstanden, darunter eigene Lieder und Coverversionen bekannter Standards wie „My Baby Just Cares For Me“, die sie mit viel Hingabe ganz neu interpretiert. In einige Stücke hat sie ihren klassischen Hintergrund eingewoben: Die Mondscheinsonate öffnet sich zur Eigenkomposition „Watching The Moon“, in der die Sterne uns im stillen Mondlicht beobachten. Bei „Swing Low Sweet Chariot“ sind Harmonien aus Beethovens Sonate op.109 zu hören, was mir eine wohlige Gänsehaut beschert. Bei ihrem Soloalbum konnte sie ganz sie selbst sein, sagt sie im EPK-Video begeistert, und ihre drei Leidenschaften zeigen: die Klassik, den Jazz und das Songwriting. Video

VÖ: 06.06.2025 | Warner | 12 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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2) MONIKA ROSCHER BIGBAND – „Witchy Activities – LIVE“

Jazz | Avant-Pop (Deutschland)

Schon seit Jahren hatte die Münchner Musikerin, Komponistin und Bigbandleaderin Monika Roscher den Wunsch, ein Livealbum aufzunehmen, um die besondere Energie einzufangen: „Wenn alle Sinne geschärft sind, wenn man ganz im Augenblick versinkt, und es kein Zurück gibt – man steigt ein, lässt los und geht voll und ganz im Spiel auf“. Bei einem Konzert im Ampere 2024 war es dann so weit. Unter ihrer Leitung bescherte die 18köpfige Großformation ihrem Publikum in München einen furiosen Abend. Dieses energetische Konzert kann jetzt nacherlebt werden. Es enthält Highlights aus den letzten drei Alben der Bigband „Failure in Wonderland“ (2012/2023), „Of Monsters and Birds“ (2016) und „Witchy Activities And The Maple Death“ (2023) und entführt in Roschers reiche Fantasiewelten. Im preisgekrönten Stück „8 Prinzessinnen“ geht es um Influencerinnen, die einen seltenen Jungbrunnen gestohlen haben, um sich ewige Jugend, Schönheit und ewiges Leben zu sichern, die jetzt vor Gericht stehen. Musikalisch hat sie das in einen vertrackten Morsecode gesetzt, als würden zwei Bands – quasi gegeneinander - gleichzeitig spielen. Das 13-minütige „Witches Brew“ feiert voll nervöser Energie Hexen, Freiheit und wilde Energie. „Firebird“ ist wie ein ekstatischer Flug durch eine warme Sommernacht. „Creatures Of Dawn“ zeigt mit seinen vielen Soloparts einmal mehr, dass hier virtuose Individualist*innen am Werk sind. Die Musik ist eine spannende Mischung aus Jazz, Varieté, Rock und Electronica. Video

VÖ: 20.06.2025 | Zenna | 11 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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3) AMBRE CIEL – „still, there is the sea“

Pop (Kanada)

“still, there is the sea” ist das wunderbare Debütalbum der kanadischen Komponistin, Geigerin, Pianistin und Sängerin Ambre Ciel. Ambre, die aus einer Musikerfamilie stammt, hat bereits mit sechs Jahren angefangen, Geige zu lernen und später mit Pedaleffekten und Looping-Melodien experimentiert. Nach einem Kompositions- und Recording-Studium machte sie sich an “einen ersten und unvollkommenen Versuch", ihre Innenwelt in Musik auszudrücken. Sie war gerade erst in eine ruhige Wohnung in Montreal gezogen, und hatte zum ersten Mal Zeit und Raum, allein mit sich zu sein, in sich gekehrt die Stille zu hören und „in der ungreifbaren Welt der Möglichkeiten zu leben“. Die Musik, die dabei entstanden ist, ist alles andere als unvollkommen. Es ist Musik, die „atmet“, wie stimmungsvolle Filmmusik zu ruhigen Bildern und als käme sie aus dem Reich der Träume. Nur mit Stimme, Piano und Streichern, zaubert sie mit ihren Gastmusiker*innen eine geheimnisvolle Gegenwelt, die uns die beunruhigenden Geschehnisse in der Welt vergessen lässt und wie ein Antidot wirkt. Video

VÖ: 06.06.2025 | Gondwana Records | 8 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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4) ALMA NAIDU – „Redefine“

Jazz | Singer-/Singwriter (Deutschland)

„Redefine“ heißt das zweite Album der Sängerin, Komponistin und Multiinstrumentalistin Alma Naidu und es ist jetzt schon auf Platz 3 der Deutschen Jazz Charts! Seit ihrem 15. Lebensjahr steht die Tochter eines Dirigenten und einer Opernsängerin vor allem in Musicals auf der Bühne, war Mitglied im bayrischen Landesjugendjazzorchester und hat schon mehrfach Preise gewonnen. Dass sie auch eigene Songs schreibt, wissen wir seit ihrem medial groß beachteten Top-10-Erfolg „Alma“. Ihre neue Scheibe hat sie jetzt in Kooperation mit Florian Stierstorfer erstmals selbst produziert. Die Songs kreisen vor allem um die Frage, wer wir sind und wer wir sein wollen. Es geht um die Mauern, die wir um uns errichten, die Unfähigkeit, Schwäche zu zeigen, um gesellschaftliche Normen und Stereotypen, die uns einengen, aber auch, wie wir durch Liebe und Freundschaft wachsen können. Der Opener, die Pianoballade „Company“ hüllt uns gleich in den ersten Takten warm ein und verspricht uns den Trost einer guten Freundin. Dass das Unterwegssein als Künstlerin auch seine Schattenseiten hat, wird in „Home Beyond“ deutlich, das von Einsamkeit erzählt, die dazu zwingt, in sich selbst eine Heimat zu finden. In „How Come“ gibt sie jenen eine Stimme, die ihre nicht erheben dürfen und tritt für die Rechte von Frauen ein. Auch den Männern spricht sie im wunderschönen letzten Stück „To Be A Man“ eine Befreiung zu. Und obwohl wieder hochkarätige Gäste wie Nils Landgren, Mark Lettieri, Raphaela Gromes oder Lisa Wulff zu hören sind, gefallen mir ihre intimen Stücke mit Stimme, Klavier und Cello am besten. Video

VÖ: 23.05.2025 | Leopard | 13 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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5) SOPHIE TASSIGNON – „A Slender Thread“

Experimental |  Folk |  Jazz (Belgien/Deutschland)

Zwei Jahre nach ihrem letzten Album “Khyal“, auf dem sie eindrucksvoll für interkulturelle Toleranz geworben hat, veröffentlicht die in Berlin lebende Sängerin, Pianistin, Komponistin und Theater- und Multimedia-Performerin ihr neues, zweites Soloalbum „A Slender Thread“ (Ein dünner Faden). Wieder geht es ihr darum, eine gemeinsame Menschlichkeit zu feiern. Das Album lädt dazu ein, „die Welt als ein vernetztes Ganzes zu erleben, wo unterschiedliche Traditionen und Ausdrucksformen keine Hindernisse sind, die es zu überwinden gilt, sondern Fäden, die zu etwas verwoben werden, das größer ist als die Summe seiner Teile“. Im Zentrum ihres Albums steht ihre mit viel Hall weittragende Stimme, die sie in Chören vervielfältigt und in elektroakustische Klänge einbettet. In einigen Stücken wirkt Kevin Patton als Gast an Gitarre und Schlagzeug- und Bass-Programming mit, mit dem sie auch im Duo Louise et Vilmorin kooperiert. Neben der Bach-Arie „Erbarme dich“, mit der sie beginnt, hat sie diesmal arabische und russische Poesie in ihre Soundwelten eingewoben wie das wundervolle russische Volkslied „Chornij Voran“ (Der Schwarze Rabe). Auch zwei Eigenkompositionen sind enthalten – das Titelstück und das bittersüße „The Soldier in You“. Die Texte sind geheimnisvoll, die Musik melancholisch, manchmal ein bisschen crazy und - wie sie selbst sagt - „gewoben aus Sehnsucht, Widerstand und der zerbrechlichen Schönheit menschlicher Verbindung über Kulturen hinweg“. Video

VÖ: 27.06.2025 | NEMU Records | 7 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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6) TANIA SALEH – "Fragile"

Folk | Alternative Rock | Jazz (Libanon)

Tania Saleh wuchs in Beirat auf und war sechs Jahre alt, als der libanesische Bürgerkrieg begann. Sie ist eine der Gründerinnen der alternativen Musikszene im Libanon, sah dort aber keine Zukunft mehr für sich und ging ins Exil, was den Startpunkt für ihr neues, neuntes Studioalbum bildete. „Fragile“ ist eine Art Reisetagebuch in diesem neuen Lebensabschnitt, in dem sie sich mit Identität, Entwurzelung und dem Chaos des modernen Lebens auseinandersetzt. Von ihrem Neustart erzählt sie im Opener „Ghasseel Dmegh (Brainwash)“, wie sie sich selbst neu programmieren musste, um den „monotonen Klingelton ihres Lebens" zu ändern und ihm eine neue, positive Richtung zu geben. Auch „Matrah (Territory)“ zeichnet die Suche nach einer neuen Heimat nach, das Hin und Her zwischen Verzweiflung und Hoffnung. „Marajeeh (Swings)“ feiert die Leichtigkeit, die sich nicht um das Morgen schert. „Wo ist mein Platz in dieser riesigen Maschine? Was wird von uns übrigbleiben, wenn wir nichts als den Himmel haben werden?“, fragt sie in einem weiteren Song. Überhaupt ist es unsere Welt, die ihr Sorgen bereitet: ein System, in der wir alle von Maschinen abhängig sind und von ihnen kontrolliert werden, das kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen scheint. Saleh hat die Musik für ihre arabischsprachigen Texte gemeinsam mit dem norwegischen Arrangeur und Komponisten Øyvind Kristiansen ersonnen. Und wie man es von ihr kennt, mischt sie auch hier wieder auf originelle Weise akustische Instrumente wie Piano, Klarinette, Flöte, Percussion, Oud und Kanoun mit elektronischen Klängen. Video

VÖ: 02.07.2025 | tantune | 10 Tracks | Infos

 
 
 
 
 

Auf MELODIVA findet Ihr weitere neue CD-Reviews sowie Infos, Reports und Konzert- und Workshoptermine.



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Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas: 
Verena Höfle, Belqis Schuber, Hildegard Bernasconi & Mane Stelzer und 
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