cdtipps_logo_web
 

Liebe Melodiven, Freund*innen & Musikinteressierte,

CARAMBOLAGE war eine der ersten deutschen New-Wave-Bands, die sich ausschließlich aus Frauen zusammensetzten. Die Punk-Allianz um Britta Neander, Elfie-Esther Steitz und Angie Olbrich entwickelte sich organisch aus dem Umfeld der Ton Steine Scherben und es war das gemeinsame Interesse am musikalischen Experiment unter Freundinnen, das sie miteinander verband. Mit ihrer eigenständigen Herangehens-weise schwammen sie in der NDW-Zeit auf ihrer ganz eigenen Welle und bereiteten letztlich den "DIY-Boden, auf dem später die Riot Grrrls der 90er-Jahre bauten" (Promo). Tapete Records wird morgen drei Alben dieser Wegbereiterinnen wiederveröffentlichen und wir freuen uns riesig, dass wir diese heute verlosen können: die Erstveröffentlichung "Carambolage" (1980), "Eilzustellung Exprès" (1982) und "Bon Voyage", 1984 aufgenommen, aber erst 2019 veröffentlicht. Schmeißt euren Namen in die Lostrommel und schickt uns bis 23.01.22 eine Mail mit dem Betreff "Verlosung" und eurer Postadresse. Wir drücken euch die Daumen!

Viel Spaß beim Lesen & Hören,

eure Mane

 
 
THEMEN – AUSGABE JANUAR 2022

1) ISABELLE DE SPOELBERCH - "Appel à la Source"
(World)
2) JAZZ SISTERS QUARTET
- "Cookin'"
(Jazz)
3) 
CHRISTIN NICHOLS - "I'm Fine"
(Rock | Punk | Electro)
4) DIZZY KRISCH & KAROLINE HÖFLER
- "Roof Songs"
(Jazz)
5) MADELINE JUNO
- "Besser kann ich es nicht erklären"
(Pop)

 
 
 
 
 
cd_isabelledespoelberch_appel_168br

1) ISABELLE DE SPOELBERCH - "Appel à la Source"

World (Belgien)

Isabelle de Spoelberch wurde in eine musikalische Familie hineingeboren und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für die Harfe. Sie studierte Geigenbau in Österreich und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Im Anschluss erfüllte sie sich einen Traum und ging beim Geigenbaumeister und Künstler Franz Reschenhofer in die Lehre, um den Harfenbau zu perfektionieren. Seit 2014 baut sie selbst Harfen u.a. in ihrer Brüsseler Werkstatt. Aber sie ist auch selbst Musikerin. Gerade ist ihr Debüt-Doppelalbum „Appel à la Source“ erschienen, auf dem sie mit ihrer keltischen Harfe auf eine ausgedehnte musikalische Entdeckungsreise geht, auf der Suche nach einer gemeinsamen „Quelle“. Neue Kompositionen und traditionelle Musik wechseln sich darin mit Improvisationen ab, und ihr Spiel auf Harfe, Santur, Kantele und Rahmentrommel trifft auf eine armenische Duduk, die türkische Saz-Laute, die persische Trommel Tombak oder Oud, Dudelsack, Blockflöte und verschiedene Gesangsstile. 12 Gast-musiker*innen aus sieben Ländern – mit dabei ist z.B. auch die indische Sängerin Malabika Brahma - bereichern diese wunderschöne, geheimnisvolle Musik. Und auch die Umgebung hat ihren Teil beigetragen: das gesamte Album wurde in einer Kuppel aufgenommen, die ein großes Becken mit Wasser beherbergt, um das herum die Musiker*innen während der Aufnahme positioniert waren.

VÖ: 14.01.22 | Galileo MC | 10 + 18 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
cd_jazzsistersquartet_cookin_168br

2) JAZZ SISTERS QUARTET - "Cookin'"

Jazz (Deutschland)

Ihr kennt ihn wahrscheinlich alle, diesen legendären Loriot-Sketch "Das Ei ist hart", in dem ein Ehepaar am Frühstückstisch darüber diskutiert, wie man oder frau ein perfektes weiches Ei zu kochen hat. Der Streit eskaliert und plötzlich geht es um das große Ganze. Daran musste ich beim Opener von „Cookin‘“ denken, dem neuen Album des Jazz Sisters Quartets aus Frankfurt. Die vier besingen in Lionel Richies Break-up-Song „Easy“ nämlich eben dieses gar nicht so leichte Unterfangen, ein Ei gerade richtig zu kochen. Von der unterschwelligen Loriot'schen Aggression ist bei Juliane Schaper (voc), Katrin Zurborg (git), Nina Hacker (b) und Uta Wagner (dr) aber nichts zu spüren, im Gegenteil. Im neuen Soundtrack werden aus Standards mit Hilfe neuer Texte und frischen Arrangements elf swingende Jazzpop-Songs, die eine lässige Leichtigkeit versprühen. Man könnte meinen, die vier hätten während der Album-produktion gefastet, denn alle Lyrics befassen sich ausschließlich mit dem Essen. Vielleicht ist es aber auch einfach ihr Patentrezept gegen die Melancholie der Pandemie. So werden aus Liebesliedern („My Baby Just Cares For Me“) und Hits wie Michael Jacksons „Bad“ kurzerhand Songs, die das Kochen und Essen von Mousse au Chocolat, Eier und Schinken, Ravioli, Pfannkuchen & Co. preisen. Koch- und Backrezepte werden (auch singend) gleich mitgeliefert. Ran an den Herd!

VÖ: Dez 2021 | Cord Records | 11 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
cd_christinnichols_imfine_168br

3) CHRISTIN NICHOLS - "I'm Fine"

Rock | Punk | Electro (Deutschland/Großbritannien)

Mit ihrer Single „Today I Choose Violence“ zeigte Christin Nichols im letzten Sommer klare Kante. Gegen sexistische Sprüche, unwillkommene Ratschläge und Komplimente, die in Wahrheit keine sind, wie sie wohl jede Frau* - vor allem als Künstlerin* auf der Bühne - schon mal gehört hat. Und wie sie in der Kulturbranche, die sich ja ach so fortschrittlich feministisch gibt, immer noch Alltag ist. Denn letztlich sitzen immer noch zu viele „von sich selbst überzeugte Männer, die eigentlich nichts gegen Gleichberechtigung haben – solange bitte alles so bleibt, wie es ist“, an den Schalthebeln der Macht. Nichols kennt sich aus, sie arbeitet auch als Schauspielerin und war z.B. in der TV-Serie „All you Need“ auf ARD zu sehen. Ihre musikalische Karriere begann sie als Teil des Punkrock-Duos Prada Meinhoff, nun ist sie mit Unter-stützung eines Künstler*innenkollektivs erstmals mit einem eigenen Projekt unterwegs. „I’m Fine“ ist ein schön düsterer Mix aus Electro, Dark Wave, Disco, Rock und Punk und jeder Menge 80er-Vibes, die mich an unzählige durchtanzte Nächte erinnern. Nichols denkt, wie sie selbst sagt, in zwei Sprachen, deshalb wechselt sie häufig auch in ihren Songs vom Deutschen ins Englische. Dazu verfügt sie – vielleicht auch der Schauspielerei sei Dank – über eine Chamäleon-gleiche, facettenreiche Stimme. Die Musik trifft mit ihren wummernden Bässen, knarzigen Gitarrenriffs und treibenden Beats ins Mark und macht Laune auf ein baldiges Re-Opening der Clubs: es wird Zeit, dass wir wieder richtig die Sau rauslassen können.

VÖ: 21.01.22 | Freudenhaus | 12 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
cd_krischhoefler_roofsongs_168br

4) DIZZY KRISCH & KAROLINE HÖFLER - "Roof Songs"

Jazz (Deutschland)

Während die einen in ihrem durch den ersten Lockdown erzwungenen Exil in den eigenen vier Wänden Trübsal bliesen, lockte es andere hoch hinaus. Der Tübinger Vibraphonist Dizzy Krisch trotzte der Schließung von Kulturstätten, in dem er sich auf sein Hausdach stellte und von dort in die Nachbarschaft hinein improvisierte. Aus diesem Konzert, bei dem auch die Vögel der Umgebung mitmusizierten, wurden weitere Improvisa-tionen, „spontane Gedankenstationen im unsicheren Stillstand“, die jetzt in einer CD mündeten. Zur Begleitung konnte er die vielseitige Kontrabassistin Karoline Höfler gewinnen, mit der er bereits seit ca. 25 Jahren in unterschiedlichen Formationen zusammenarbeitet. Krischs Kompositionen kreisen um die „Idee, das Gefühl des Eingesperrtseins im privaten Raum während dieser schwierigen Zeit zu überwinden, um ein Gefühl von Freiheit statt der Enge des Raumes zu vermitteln“. Die „in Musik gesetzten Gedankensplitter“, die durch Höflers Kontrabassspiel eine warme Erdung erfahren, sollten unbedingt mit Kopfhörer verfolgt werden. Höfler und Krisch verschmelzen genial miteinander, der Wechsel zwischen Solo- und Rhythmusposition ist fließend. Passend zur Idee der Freiheit zeichnen Schwärme von Staren auf Innen- und Rückseite der CD-Hülle ihre einzigartigen Figuren in den coronablauen Himmel. Meine Anspieltipps: „Calmness“, „Katharina & Teresa“ und „Irritation“.

VÖ: 10.12.2021 | mochermusic | 15 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
cd_madelinejuno_besser_168br

5) MADELINE JUNO - "Besser kann ich es nicht erklären"

Pop (Deutschland)

Die Singer-/ Songwriterin Madeline Juno ist bekannt dafür, dass sie kompromisslos ehrliche Songs schreibt; erst letzten Juli sprach sie so manchem Menschen aus der Seele, als sie die Single „Sommer, Sonne, Depression“ veröffentlichte. Auch bei den ersten Songs des neuen Albums „Obsolet“, „Neukölln“ oder „Jedes Mal“ wird klar: hier ist eine Wortkünstlerin am Werk. Anders als der Albumtitel es vermuten lässt, kann sie ihre Erfahrun-gen so lebendig beschreiben wie kaum ein*e andere*r. Ein Großteil der neuen Songs beschreibt die Zeit nach dem bitteren Ende einer großen Liebe mit ihren unzähligen quälenden Situationen. Und fast jede*r kennt sie. Kann ich meinem eigenen Gefühl nicht mehr trauen? Passiert mir das jetzt jedes Mal? War alles Betrug oder echt? Wann lässt der Schmerz endlich nach? Wann finde ich keine „Überbleibsel“ des Anderen mehr? Die junge Künstlerin gießt diese Seelenpein in herzzerreißende Popsongs (Anspieltipp: „Nur kurz glücklich“), die so süß sind, dass ich sie kaum aushalten kann. Dass das Ganze nicht in Depri-Songs ausartet, ist Junos großem Songwritingtalent zu verdanken, mit dem sie aus jedem Song einen Befreiungsschlag und empowerndes Statement macht und neben all der Bittersüße auch die tröstliche Zusicherung gibt, dass wir mit unserem Schmerz nicht allein sind. Denn irgendwo da draußen gibt es jemanden, der oder dem es genauso geht. Mega.

VÖ: 14.01.2022 | Embassy of Music | 15 Tracks | Infos

 
 
 
 
 

Auf MELODIVA findet Ihr weitere CD-Reviews sowie Infos, Reports und Konzert- und Workshoptermine.



Wenn Ihr Tipps & Infos für den nächsten Monat habt, meldet Euch wie immer bei uns unter musik@melodiva.de!
 


Wer diesen Newsletter trotz seines überaus informativen, sorgfältig recherchierten und interessanten Gehalts in Zukunft lieber nicht mehr bekommen möchte, kann sich hier austragen.

Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas: 
Hildegard Bernasconi, Maria Bätzing, Marie Koppel & Mane Stelzer und 
die Vorstandsfrauen: Gabi Rummel, Katrin Zurborg und Uta Wagner.


Copyright – http://www.frauenmusikbuero.de,
 http://www.melodiva.de

fon: +49 (0)69-4960-848
 

IMPRESSUM: FRAUEN MUSIK BÜRO, 
ein Projekt des Trägervereins: Frauen machen Musik e.V.,
 Roßdorferstr. 24, 60385 Frankfurt, Vereinsregister Frankfurt Nr.: 9878