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Liebe Melodiven, Freund*innen & Musikinteressierte,

wisst ihr, was Musiker*innen verdienen, wenn wir ihre Musik auf Spotify oder iTunes streamen? Eine goldene Nase jedenfalls nicht: bei 300 Streams kommen bei Spotify gerade mal 0,86 € Ausschüttung an die Band zusammen, bei iTunes und Deezer ist es nur wenig mehr. Was lernen wir daraus? Wer keine ganze CD, sondern einzelne Titel runterladen möchte, geht am besten zu Bandcamp. Hier bekommen die Musiker*innen immerhin 70% der Einnahmen und bestimmen selbst, wie die Fans ihre Musik beziehen können. Dort könnt ihr einen Song sogar an eine*n Freund*in verschenken! CDs und Vinyls kauft frau am besten gleich bei ihrer Lieblingsband oder im Laden. Und warum nicht mal Kultur verschenken? Schaut doch mal im Club eures Vertrauens, meist gibt es dort Kultur-Gutscheine im Angebot. So findet ihr – safe von zuhause aus - ein grandioses Weihnachtsgeschenk und unterstützt gleichzeitig die Kulturszene.

Wir wünschen euch noch eine friedvolle, glückliche, solidarische und vor allem gesunde Advents- und Weihnachtszeit und senden euch

liebste Grüße,

eure Mane & der Rest der Melo-Bande

 
 
THEMEN – AUSGABE DEZEMBER 2021

1) DEEP THROAT CHOIR - "In Order To Know You"
(Soul | Pop | Indie)
2) CHRISTINA LUX
- "Lichtblicke"
(Folk | Singer-/Songwriter)
3) 
ALEXANDRA LEHMLER & M. DEBUS - "Tandem"
(Jazz)
4) AYSAY
- "Su Akar"
(World)
5) LYDIE AUVRAY
- "Air de Décembre"
(World)
6) ALLI NEUMANN - "Madonna Whore Komplex"
(Pop)

 
 
 
 
 
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1) DEEP THROAT CHOIR - “In Order To Know You”

Soul | Pop | Indie (Großbritannien)

Wow, was für eine besondere Musik! Das Londoner Kollektiv Deep Throat Choir, bestehend aus weiblichen und nicht-binären Mitglieder*innen, wurde von der Landshapes-Sängerin Luisa Gerstein gegründet. Nach ihrem Debüt 2017 folgt jetzt das zweite Album „In Order To Know You“ und aus dem Chor mit Percussion, der Lieder von anderen covert, ist eine vielköpfige Avant-garde-Band mit eigenen Songs geworden. Im Zentrum der Musik stehen die schönen Stimmen von Luisa Gerstein, Tanya Auclair, Liv Stones, Holly Holden, Elly Condron, Miryam Solomon, Fikir Assefa, Maddie Rix, Rosa Slade, Heloise Tunstall-Behrens, Fran Lobo u.a. Dazu gesellen sich Bläser, Piano, Cello, Streicher, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Im Opener „Alchemilla“ dreht sich alles um toxische Maskulinität: “Brother let your tears be seen | open to the emotional wave | You don’t have to wear a shield | Yield | To the changing tides inside | Vulnerability’s power | It lets me open like a flower | Forcing us to change and grow | Opening us to ebb and flow”. Viel Soul, eine Prise „Hair“-Musicalfeeling, Gänse-hautmomente und die Power des singenden Schwarms - das Album ist wie eine warme Dusche im eisigen Winter.

VÖ: 03.12.2021 | Bella Union | 11 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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2) CHRISTINA LUX - „Lichtblicke“

Folk | Singer-/Songwriter (Deutschland)

Mit ihrem neunten Album schenkt uns die Sängerin und Gitarristin Christina Lux 10 „zauberhafte Momente inmitten dieses Wahnsinns, der hier gerade tobt überall“ (Info). Anders als sonst, mussten die Lieder in ihrem kleinen Studio in Köln reifen, denn auf die Bühne gehen konnte sie pandemiebedingt nicht. Aber so konnte sie die neuen Songs mit ihrem Weggefährten Oliver George (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang, Keys und Arrange-ment) und Gästen wie Tokunbo, Anne de Wolff und Maria Well & Angelika Bachmann im Studio in Ruhe weiterent-wickeln. Lux‘ Lyrics – seit dem letzten, mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2018 ausgezeichneten Album „Leise Bilder“ fast durchgängig deutschsprachig, sind wie die Blaupause einer „ver-rückten“ Zeit. Sie spenden Hoffnung („Mond“), dass wir uns irgendwann wieder begegnen und umarmen können „bis uns endlos Tränen über die grinsenden Wangen rinnen“. Strahlen Gelassenheit aus und machen Mut, einfach loszufliegen, auch wenn man die Instruktionen, wie man Flieger baut, nicht genau gelesen hat („Flieger aus Papier“). Lux ist auch eine Künstlerin, die sich für andere einsetzt. „Wie tief“ ist Geflüchteten gewidmet, die seit Jahren in Lagern auf Lesbos festsitzen, auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Das einzige englischsprachige Stück hat sie für einen Dokumentationsfilm geschrieben, der sich für Pressefreiheit einsetzt. Mit dem zärtlichen „Ins Licht“ erinnert sie an Freund*innen wie Astrid North und Susan Weinert, die viel zu früh verstorben sind.

VÖ: 26.11.2021 | Luxuriant | 10 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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3) ALEXANDRA LEHMLER & MATTHIAS DEBUS - “Tandem”

Jazz (Deutschland)

Alexandra Lehmler und Matthias Debus sind ein Paar und Eltern dreier Kinder. Und sie harmonieren auch musikalisch, was nicht erst ihr gemeinsames Debüt-Album als Duo beweist, das sie im Sommer in den Bauer Studios eingespielt haben. Fast alles dreht sich darin um Federvieh und das Fliegen: es gibt jede Menge „Schräge Vögel“ (Teil I-III), einen „Ikarus“, den Moment des Abhebens („Take Off“), einen gemeinsamen Flug („Tandem Ride“) und einen kleinen Vogel, der flügge wird. Die fantastische Reise durch die Lüfte geschieht in 11 Duetten, in denen sich zu Lehmlers zahlreichen Saxofonen und Klarinetten, Flöte und Stimme Bass und Gesang ihres Ehemanns Debus gesellen. Auf das verhaltene Zwiegespräch zu Beginn folgt eine Überraschung: ein Familienchor aus vollen Kehlen, der sich mit gestrichenem Bass und Klarinette für den „Take Off“ bereitmacht. „Im Hamsterrad“ könnte einen Tag im Leben einer Musikerin und Mutter beschreiben – turbu-lent, aber alles andere als eintönig. Der „Tandem Ride“ wird mit grooviger Bassgrundstruktur und freiem Saxofonspiel zu einem abwechslungsreichen Trip. Feierlich und erhaben wird es bei „Choral No.2“ und wenn der „Ikarus“ durch die Lüfte fliegt. Vor langer Zeit hat Alexandra Lehmler einmal in einem Interview gesagt, dass sie sogar ein Publikum für den Jazz neu begeistern will, „das noch nicht weiß, dass es Jazz mag“. Das könnte mit "Tandem" wieder einmal klappen.

VÖ: 26.11.2021 | Bauer Studios | 11 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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4) AYSAY - “Su Akar”

World (Dänemark)

Das dänische Folktrio AySay legt mit „Su Akar“ seinen ersten Longplayer vor. Was als kreatives Songwriting-projekt an der Aarhus Musikskole begann, ging 2017 plötzlich durch die Decke, als sie gebeten wurden, zur Eröffnung der Kulturhauptstadt Aarhus zu spielen. Treibende Kraft ist die Sängerin Luna Ersahin, die auch hervorragend Baglama (eine türkische Langhalslaute), Violine und Rahmentrommel spielt. Sie ist die Tochter einer Dänin und eines Kurden aus der Türkei und singt in allen drei Sprachen. Das interessante kulturelle Spannungsfeld bespielen mit ihr Aske Døssing Bendixen an analoger und digitaler Percussion und Carl West Hosbond an Gitarre und Bass. Ein Mix aus handge-machter, organischer und elektronischer Musik ergibt den ganz eigenen „aysayen“ Sound. Der entsteht durch mit viel Hall versehenen Gesang, Trommeln, sphärische Sounds, coole Beats, Violinen und diverse traditionelle Instrumente (Cura, Oud, Zurna, Sipsi, Kaval, u.a.). Der Albumtitel verweist auf ein türkisches Sprichwort: „Su akar, yolunu bulur“, was so viel heißt wie „Wasser, das fließt, wird immer seinen Weg finden“. Denn die drei befinden sich, wie sie selbst sagen, in einer „Quaterlife-Crisis“ auf der Suche nach Halt. Die Musik schlägt einen großen Bogen von den nebligen nordischen Ebenen in die warme, trockene Luft der Berge Anatoliens. Im Zentrum die ausdrucksstarke Stimme von Luna Ersahin, die in sich Ost und West vereint und das mit ihrer Band in vortreffliche Musik zu gießen weiß.

VÖ: 05.11.2021 | Nordic Notes | 12 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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5) LYDIE AUVRAY - „Air de Décembre“

World (Deutschland

Unzählige Alben hat die Akkordeonistin und Komponistin Lydie Auvray in ihrer 44jährigen Karriere veröffentlicht, ihr neustes ist bereits das 24. Schon lange hatte der Verleger ihr in den Ohren gelegen, dass sie einmal ein Winter-album schreiben soll. Dann kam die Coronakrise mit ihrem Lockdownwinter und die Chance war da. Alle 13 Stücke auf „Air de Décembre“ entstanden in dieser einsamen Zeit. Auvray und ihren Mitstreiter*innen war es wichtig, alle Facetten der Jahreszeit einzufangen: die fröhlich tanzenden Schneeflocken, die Stille der Schnee-landschaft, aber auch die Rauheit und Härte eines Wintersturms in kahler Gegend. Neben ihren langjährigen Bandkollegen Eckes Malz, Markus Tiedemann und Jörg Fuhrländer, die auch Kompositionen beigesteuert haben, sind diesmal auch Volker Heinze (Kontrabass) und drei Musikerinnen an Bord: die Harfenistin Ulla van Daelen, Ulrike Zavelberg am Cello und ihre Tochter Cannelle Picot am Gesang. Das Album ist Kopfkino pur und führt uns durch winterliche Melancholie und bittersüße Stimmungen. Es ist eine charmante Musik, wie sie auch in „Die fabelhafte Welt der Amelie“ erklingen könnte (Anspieltipp: „Claude ging über den Bach“). Eine Hommage an Erik Satie („Satiesfaction“) und zwei Traditionals ergänzen den reichen Songband.

VÖ: 03.12.2021 | Westpark Music | 13 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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6) ALLI NEUMANN - "Madonna Whore Komplex“

Pop (Deutschland)

„Ich will einfach nur frei sein. Ich will stolz sagen, dass ich queer bin, auch wenn meine Oma fragt. Ich will laut singen und tanzen auf der Straße. Ich will frei von allen Selbstzweifeln sein und immer wissen, dass die gesellschaftlichen Normen falsch sind und nicht ich“, schrieb Alli Neumann anlässlich des Releases ihrer Single „Frei“. Ihr neues, im September digital und seit kurzem auch physisch erhältliches Album liefert denn auch jede Menge gute Vibes und Empowerment für Popfreund*innen. Die Platte ist auf ihrem eigenen Label JAGA Recordings erschienen, das sie mit ihrer Managerin Misla Tesfamariam gegründet hat. Anders als bei dem ersten Plattendeal in ihrer Jugend, hat sie jetzt eine Truppe um sich, mit der sie selbstbestimmt ihre eigenen Ideen verwirklichen kann. Die 10 Songs über Sexismus, Identität und Integrität sind verpackt in tanzbare Disco-Poptracks. Sie judgen Oberflächlichkeit, selbst-herrliches Gehabe und Bling-Bling, sind raumnehmend und frech. „Ich habe das System erkannt, dass mich klein hält und das war die größte Befreiung. So konnte ich aufhören die Schuld für meine Andersartigkeit bei mir zu suchen“, schreibt die Musikerin und Schauspielerin auf Facebook. Sicher nicht das Schlechteste, uns ab und zu bewusst zu machen, was uns einengt, einschränkt, am Wachsen hindert oder einfach nicht gut tut. Neumann liefert die passende Musik dazu.

VÖ: 10.12.2021 | JAGA Recordings | 10 Tracks | Infos

 
 
 
 
 

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Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas: 
Hildegard Bernasconi, Maria Bätzing, Marie Koppel & Mane Stelzer und 
die Vorstandsfrauen: Gabi Rummel, Katrin Zurborg und Uta Wagner.


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