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Liebe Melodiven, Freund*innen & Musikinteressierte,

hier kommen unwiderstehliche CD-Tipps zur musikalischen Untermalung eurer Osteraktivitäten: eure Soundtracks zum fröhlichen Ostereier Suchen und Picknicknen mit Freund*innen und Familie. Brandneue Alben, die eine kräftige Prise Optimismus und gute Laune verbreiten - schlimme Nachrichten gibt es genug und grade die Musik lässt uns doch immer wieder Kraft tanken!
Wer bis 18.04.2022 den eigenen Namen in unsere Lostrommel werfen will und uns eine Mail mit dem Betreff "Verlosung" und der Postadresse schickt, hat die Chance, das neue Studioalbum von SOMI "Zenzile: The Reimagination of Miriam Makeba" zu gewinnen. Ach ja, und die Antwort auf folgende Preisfrage darf nicht fehlen: "Welche Künstlerin in einem unserer CD-Tipps findet alles nicht nur „halb so schlimm“, sondern „doppelt so gut“?"

Ich hoffe, Ihr habt es schön und ihr könnt euch ein paar Tage frei nehmen. Ein schönes Osterfest & erholsame Ferien wünscht euch

Mane

 
 
THEMEN – AUSGABE APRIL 2022

1) MARJAN VAHDAT – „Our Garden Is Alone”
(World)
2) CLAUDIA FINK
– Über Wasser
(Singer-/Songwriter)
3)
KONTRASAX – “Die Kunst des Reisens. Live”
(Jazz)

4) KAZ HAWKINS
– “My Life And I”
(Blues)
5) MICHELLE WILLIS
– „Just One Voice”
(Pop | Jazz)
6) THE COMPOSERS‘ ORCHESTRA BERLIN – „Holding Pattern”(Jazz)

 
 
 
 
 
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1) MARJAN VAHDAT – „Our Garden Is Alone”

World (Iran/USA)

Die Iranerin Marjan Vahdat – bekannt vor allem durch die Projekte mit ihrer Schwester Mahsa – hat vor kurzem ihr 3. Soloalbum veröffentlicht, auf dem sie sich erneut von der traditionellen Musik und Poesie verschiedener Landesteile des Iran inspirieren lässt. Vahdat lebt schon lange im Exil und macht die Gefühle der Entwurzelung, die Sehnsucht nach ihrer Heimat und die Hoffnung auf eine Rückkehr zu Leitmotiven ihres Soundtracks. Die Aufnahme stand eigentlich unter keinem guten Stern: die Musiker*innen konnten sich wegen der Pandemie nicht treffen. So wurden Track für Track erst Vahdats Gesang, dann die Instrumentalbeiträge aufgenommen. Bugge Wesseltoft, der auch als Musiker an Klavier, Keys und Akkordeon mitwirkte, übernahm die schwierige Aufgabe, als Produzent und Arrangeur die Teile zusammenzufüh-ren und daraus eine harmonische Klanglandschaft zu schaffen. Das ist ihm gelungen! Vahdats meisterhafter, weittragender Gesang wird von der norwegisch-irani-schen Band feinfühlig umrahmt. Ein warmer Bass, die schönen Klangfarben der Ney-Flöte und der Kamancheh (einer sog. „Stachelgeige“), Wesseltoftsche Piano- und Keyboardklänge und Percussion und Schlagzeug ergeben einen magischen Gesamtklang. „In the midst of chaos and bloodshed | love has a rose garden | the lovers are seeking the unconditional love | Wisdom says we are limited to six directions and there is no other way | but love says there is a way and I have walked it many times”, heißt es im Song „Love Resonates“ nach einem Gedicht des persischen Dichters Rumi. Diese Zeilen können wir gerade gut gebrauchen.

VÖ: 25.03.2022 | KKV | 10 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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2) CLAUDIA FINK – Über Wasser

Singer-/Songwriter (Deutschland)

Unaufdringlich, sanft und tröstlich beginnt Claudia Finks (ehemals Lucid) neues Album „Über Wasser“: "Ich zieh den Taucheranzug an | schwimm dir entgegen | mit Flaschen voller Luft | dich wieder zu beleben | ich bring Traubenzuckerdrops | dass wir das überstehen | lass uns nicht untergehen“. Es sind „Hoffnungslieder“, die eine positive Richtung vorgeben, Mut machen und Trost aussprechen; persönliche Geschichten aus Finks Mikro-kosmos in Berlin, wo sie seit einigen Jahren lebt. Sie singt vom öden in-der-Spur-Bleiben, von Beziehungen, die so schön sind, dass sie nicht die Magie verlieren. Die Corona-Pandemie kommt dabei nur am Rande vor; einzig die erste Single-Auskopplung „Pommes essen am Schlachtensee“, während des ersten Lockdowns im April 2020 entstanden, nimmt darauf Bezug. Erstmals ganz auf Deutsch, präsentiert Fink an Gitarre und Wurlitzer Piano intime, wunderschöne Songperlen, die zeigen, wie groß ihre Lust an der Sprache ist. Da ist alles nicht nur „halb so schlimm“, sondern „doppelt so gut“, in einem Song heißt es: „Bitte bitte komm wirf mich aus der Bahn“, in einem anderen fühlt sie sich „splitterfasernackt und frei“ und verliert „gerade nebenbei das Unnahbare“. Die Band unterstützt sie songdienlich und abwechslungsreich. Im Berliner Produzenten Ben Kreisel scheint sie einen passenden Partner gefunden zu haben, der sie aus ihrem Multitasking in Personalunion erlöst. Eine wirklich schöne Scheibe, bei der ich nur bemängeln kann, dass sie zu schnell zu Ende ist.

VÖ. 01.04.2022 | Waterfall Records | 9 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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3) KONTRASAX – “Die Kunst des Reisens. Live”

Jazz (Deutschland)

Wie sich das Jubiläumskonzert von KontraSax in der Christuskirche in Köln im September letzten Jahres angehört hat, ist jetzt auf dem fünften Longplayer von Christina Fuchs (Sopransaxofon, (Bass-)Klarinette) und Romy Herzberg am Kontrabass eindrucksvoll festgehal-ten. Ihre elf Eigenkompositionen sind Zwiegespräche zwischen freier Improvisation und vorstrukturierten Elementen, meditativ und raumöffnend. „Die Kunst des Reisens“ heißt das Album, was auch der Titel des Openers ist, es könnte aber auch „Die Reise zu den Künsten“ heißen, nimmt man ihren weiten Arbeits-horizont als Bezugspunkt. Fuchs und Herzberg beziehen von jeher andere Künste und Medien in ihre Arbeit mit ein, untermalen Lesungen, schreiben Musik für Theater-projekte, die Filmmusik für TV-Dokumentarfilme u.v.m. 30 Jahre gemeinsame künstlerische Arbeit liegen hinter ihnen, was auf einen langen Atem und perfektes Aufeinanderhören schließen lässt. Ihre Stücke lassen sich Zeit, spitzen regelrecht unsere Ohren an. Sie nehmen uns mit auf eine Reise nach Ramallah, im Nachtzug oder nach Afrika, regen die Fantasie zu inneren Bildern an. Es ist spannend, welche Klangfarben und perkussiven Klänge die beiden ihren Instrumenten entlocken und wie sie dabei miteinander ins „Gespräch“ kommen. Zurück-lehnen und genießen!

VÖ: 13.04.2022 | JazzHausMusik | 11 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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4) KAZ HAWKINS – “My Life And I”

Blues (Nordirland)

Eine nordirische Bluessängerin? Das macht neugierig. Kaz Hawkins wurde 1973 geboren und lernte ihr Hand-werk in den Bars von Belfast, wohin ihr Vater sie mit-nahm. Ihre Wurzeln als Musikerin reichen in eine Zeit zurück, als das Land noch von Gewalt und Unruhen durch den Bürgerkrieg geprägt war. Hawkins schrieb schon als kleines Mädchen heimlich Gedichte, um den Schmerz zu vergessen. "Musik war meine Zuflucht, wie ein Trostspender! Wenn ich singe, fühle ich mich sicher. Meine Vergangenheit hat mich zu der Künstlerin gemacht, die ich bin, aber sie definiert mich nicht", erzählt sie. Ihr großes Vorbild war - neben Aretha Franklin und Joe Cocker - vor allem Etta James, ihre Konzerte begann sie häufig mit deren Cover-Versionen. Auch auf „My Life And I“ sind zwei genial gesungene Etta James-Cover zu hören, dazu weitere Cover-Versionen und 13 eigene Songs. Es ist ein reichhaltiger Mix aus energiegeladenen, groovigen Songs mit Band, einem a cappella gesungenen Gospel („Pray“) und jeder Menge Balladen, die Hawkins kraftvolle, raue Bluesstimme offenbaren. Da ist das ein-drucksvolle „Because You Love Me”, der berührende Song „Surviving“, der einer schmerzlichen Vergangenheit Tribut zollt, das inbrünstig geschmetterte „One More Fight“ und viele weitere Eigenkompositionen, die nur mit Stimme und Piano auskommen. Sie handeln von Freiheit und Einsamkeit, vom Durchhalten und Aufgeben – bestes Songmaterial für einen guten Song. Eine Kostprobe ihrer souligen Stimmgewalt gibt das letzte Stück „Shake“.

VÖ: 08.04.2022 |Dixiefrog Records | 17 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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5) MICHELLE WILLIS – „Just One Voice”

Pop | Jazz (Kanada/USA)

Michelle Willis ist eine kanadische Singer-Songwriterin und Keyboarderin, die in Brooklyn lebt und sich vor allem als Bandkollegin von David Crosby und Becca Stevens einen Namen gemacht hat. Nach ihrem Debüt 2016 ist jetzt der Nachfolger mit dem Titel "Just One Voice" erschienen, ein grooviger Pop-Soul-Jazz-Soundtrack, der schon allein durch die Kombination Gesang und Keyboard außergewöhnlich ist (auf „‘Til The Weights Lifts“ ist das z.B. pur zu hören). Dass sie schon als junge Musikerin in die Welt der 60er und 70er Songwriter*innen eingetaucht ist und Jazz und Songwriting studiert hat, gibt in ihrer Musik eine weitere Richtung vor. Außerdem war Willis als Kind der 90er von Musikerinnen wie Shawn Colvin, Lauryn Hill, Amanda Marshall, Whitney Houston und Alanis Morissette fasziniert: “These women dominated my emo-brain. They said how they felt; their songs felt deep, harmonically and lyrically. Their music was a place where all my teenage emotion could live and be perfectly expressed.” Ihre Platte enthält denn auch eine große Portion authentische Selbstreflektion und die Auseinandersetzung mit so „hässlichen“ Gefühlen wie Eifersucht, Neid, Einsamkeit, Negativität usw., die es zu bewältigen gilt, um Platz für Neues zu schaffen. Ihren Reifeprozess kleidet sie in optimistisch gestimmte Musik, die irre Spaß macht und mit einem Duett mit Taylor Ashton ("Trigger") und ihrer persönlichen Hymne auf ihre Wahlheimat NYC („Liberty“ feat. David Crosby) tolle Höhepunkte bereithält.

VÖ: 08.04.2022 | GroundUp | 11 Tracks | Infos

 
 
 
 
 
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6) THE COMPOSERS‘ ORCHESTRA BERLIN„Holding Pattern”

Jazz (Deutschland)

Das Composers’ Orchestra Berlin, kurz COB, ist ein ungewöhnliches Orchesterprojekt unter der Leitung von Hazel Leach. Das Konzept: Die über 20 Mitglieder sind ausführende Musiker*innen und Komponist*innen zugleich, und es gibt keine feste Besetzung. Jede*r Komponist*in kann aus einem „Pool“ von Instrumenten wählen. Es gibt keine Ausschlusszonen, sodass ein genre-übergreifendes Repertoire geschaffen wird, in dem alle möglichen Stile – Klassik, Jazz, Weltmusik, Pop oder Neue Musik – kombiniert werden dürfen und sollen. Seit der Gründung Ende 2010 hat sich das Orchester einen festen Platz in der Berliner Jazz-Szene erarbeitet und ist auch international etabliert. Jetzt ist das neue Album „Holding Pattern“ (deut.: Warteschleife) erschienen. Der Titel ist einem Stück von Hazel Leach entlehnt, die sich auf einem Flug nach London über den schönen Ausblick freute, aber auch über die Vielzahl von Flugzeugen in der Luft wunderte. In der Rückschau passt es treffend zum Zustand des Orchesters im Lockdown. Überhaupt wurden viele der zehn Stücke auf der Platte während dieser Zeit geschrieben. Da gibt es den ungetanzten Tango als Synonym für ein Leben im Stillstand, das dennoch weitergeht. Einen etwas anderen Maskenball, auf dem keine Begegnung möglich ist. Das Stück der Posaunistin Anne Dau („Jetzt, schon und noch“) will uns daran erinnern, im Hier und Jetzt zu leben. Kreativer Jazz at its best.

VÖ: 13.04.2022 | JazzHausMusik | 10 Tracks | Infos

 
 
 
 
 

Auf MELODIVA findet Ihr weitere aktuelle CD-Reviews wie U.T.A. "No More No Less" sowie Infos, Reports und Konzert- und Workshoptermine.



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Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas: 
Hildegard Bernasconi, Maria Bätzing, Marie Koppel & Mane Stelzer und 
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