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Liebe Melodiven, Freundinnen & Freunde!
Sehr viele neue CD's fanden in den letzten Wochen den Weg in unser Büro und wir können hier leider immer nur einen kleinen Teil vorstellen... Neo Souljazz aus Norwegen und finnischen Blues zum Beispiel... wie sich der Soundtrack eines Freiheitskampfes anhört... oder was bei einer norwegisch-japanischen Begegnung am Fuße des Fuji herauskommt... Viel Spaß beim Lesen & Lauschen!
Liebe Grüße,
Mane & das MELODIVA-Redaktionsteam
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THEMEN – AUSGABE APRIL 2017
1) ROHEY – „A Million Things“ (Jazz | Soul | Pop) 2) NAÏSSAM JALAL – “Almot Wala Amazala” (Jazz | World) 3) ERJA LYYTINEN – “Stolen Hearts” (Rock | Blues) 4) UNNI LØVLID – “Hymn” (World | Folk) 5) THE BIG MOON – “Love In The 4th Dimension” (Alternative | Indie) 6) BECCA STEVENS – “Regina” (Pop | Jazz | Singer-/Songwriter) 7) LISA MITCHELL – “Warriors” (Pop)
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1) ROHEY – „A Million Things“
Jazz | Soul | Pop (Norwegen)
Skandinavische Jazzfans kennen das Quartett Rohey aus Norwegen bereits länger, denn es hat dort auf so ziemlich jedem Jazz-Festival schon gespielt. Namensgeberin Rohey Taalah verfügt über eine umwerfende Jazz- und Soulstimme mit leicht rauchigem Timbre, und wird von ihren drei Bandkollegen kongenial begleitet, die sie 2013 am Trondheimer Konservatorium kennengelernt hat. Und schnell wird klar: da sind wahre MeisterInnen am Werk, regelrechte Kreativmonster! Der Rohey-Sound ist aufregend, frisch, unkonventionell und mitreißend, cool allemal, mit fetten Synthies und loungiger Grundstimmung. Jazzige Arrangements treffen auf üppige Neo Soul Vibes. Die Beats führen bisweilen ein interessantes Eigenleben, stolpern manchmal stoisch vor sich hin, sind dann wieder flatterig oder treibend, Rohey’s geschmeidige Stimme und perlende Keyboard-Melodien fließen warm darüber. Mein absoluter Liebling: „Tell Me“ zeugt von großer Songwriterkunst. Wie die vier auf so viele Ideen kommen, ist mir ein Rätsel, die 12 Tracks des Albums sind jedenfalls vollgepackt davon und schreien danach, in Dauerschleife gespielt zu werden! Wer Vergleiche mag: Hiatus Kaiyote, Esperanza Spalding, Jamiroquai und Jamie Cullum könnten einem beim Hören in den Sinn kommen...
VÖ: 31.03.2017 | Jazzland Recordings | 12 Tracks | http://rohey.no
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2) NAÏSSAM JALAL & RHYTHMS OF RESISTANCE – “Almot Wala Amazala”
Jazz | World (Frankreich | Syrien)
“Almot Wala Amazala” heißt so viel wie “Tod statt Erniedrigung” und wird vom syrischen Volk auf den Straßen gerufen, um ihrem Hunger nach Freiheit Ausdruck zu verleihen. Die Flötistin Naïssam Jalal, die als Tochter syrischer Einwanderer in Frankreich geboren wurde, setzt diesen mutigen Menschen mit ihrem dritten Album ein Denkmal: „Meine Musik reflektiert diese verrücktgewordene Welt, die einerseits unglaubliche Gewalt hervorbringt und auf der anderen Seite von immenser Schönheit ist“. Nun ist die Flöte gemeinhin nicht gerade als Instrument der „Resistance“ bekannt, Jalal spielt sie jedoch so leidenschaftlich und mit einer derart magischen Ausdruckskraft, dass ich ihr – wäre sie eine rebellische Anführerin - blind folgen würde. Die neun Tracks beginnen meist ruhig und gefühlvoll mit langen Intros, dann nehmen sie gehörig Fahrt auf, wenn ihre Band „Rhythms of Resistance“ (Saxophon, Kontrabass, Cello und E-Gitarre, Percussion und Schlagzeug) einsteigt und die Musik immer furioser, explosiver wird. Jalal's fast schon ekstatisches Spiel (das mich bisweilen an Ian Anderson erinnert) und die geniale Mischung aus europäischem Jazz und verschiedenen, vor allem orientalischen Einflüssen, machen die Platte zu einem akustischen Hochgenuss. Im großartigen, ungeheuer sehnsuchtsvollen Titelstück zieht Jalal nochmal alle Register, haucht, seufzt, ruft und heult mit ihrer Flöte, die Band tobt und kämpft - ein beeindruckender Soundtrack eines Freiheitskampfes.
VÖ: 24.03.2017 | Les Couleurs Du Son | 9 Tracks | http://naissamjalal.com
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3) ERJA LYYTINEN – “Stolen Hearts”
Rock | Blues (Finnland)
Die finnische Gitarristin, Sängerin und Songschreiberin Erja Lyytinen ist in der Bluesszene bereits ein Star, als Slide-Gitarristin ist sie international anerkannt und hat vor allem mit ihren letzten Alben etliche Auszeichnungen eingefahren. Ihr zehntes (!) Werk ist laut Pressetext das Ergebnis schwieriger Zeiten voller „Herzschmerz, Frust, Enttäuschung, Verlustangst und zur gleichen Zeit tiefster Liebe“. Was gibt es da Passenderes als den Blues? Doch das Heulen ist ihre Sache nicht, der Aufbruch ins Neue ist angesagt. Lyytinen verpackt ihre Erfahrungen in solide, erdige Rock- und Bluesnummern, die die eine oder andere Hookline bieten und heftig grooven. „Rocking Chair“ und „24 Angels“ machen riesigen Spaß, in „Black Ocean“ brilliert sie mit einem grandiosen Solo. „Slowly Burning“ ist „feeling blue at its best“. Daneben zeigt sich noch eine neue Seite der Musikerin, die seit 2014 Mutter von Zwillingen ist. Vor allem der zweite Teil präsentiert ruhigere und experimentierfreudigere Lieder, die durchaus Überraschendes bieten, wie z.B. „Awakening“ oder die schöne Ballade „Broken Eyes“. Ihr Gitarrenspiel ist beeindruckend – das englische Guitar Techniques Magazine lobt das „great Hendrixy Feel“ - und auch beim Gesang legt sie noch eine Schippe drauf. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Bluesplatte auf Finnisch.
VÖ: 07.04.2017 | Bluesland/Tuohi Records | 11 Tracks | http://www.erjalyytinen.com
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4) UNNI LØVLID – “Hymn”
World | Folk (Norwegen)
Einen großen Bogen spannt die norwegische Sängerin und Komponistin Unni Løvlid im Team mit ihrem Landsmann Håkon Thelin (Kontrabass) und den japanischen Musikern Remi Miura und Kaizan Harago auf ihrem neuen Album „Hmyn“. Norwegische Lyrik und Musik aus verschiedenen Epochen, die sich mitunter bis ins 13. Jhdt. zurückverfolgen lässt, trifft darin auf japanische Musiktraditionen und Instrumente wie die Shō (Mundorgel) und die Shakuhachi (Bambuslängsflöte). Letztere wurde von zenbuddhistischen Mönchen als Meditationsinstrument verwendet, ihr weicher, luftiger Klang ist so tröstlich wie sehnsuchtsvoll. Die vier MusikerInnen verbrachten eine Woche in einem Studio am Fuße des Vulkans Fuji, um aus all ihren Ideen und Erfahrungen eine sehr meditative und getragene Musik zu formen. Das Booklet enthält zwar Erklärungen zum jeweiligen Hintergrund der Songs, aber keine Übersetzung der poetischen Texte, was schade ist. Dafür finden sich dort wunderschöne Gemälde von norwegischen KünstlerInnen, und zwar VertreterInnen des Japonismus, einer Kunstströmung aus dem 19.Jhdt., die von japanischer Kunst inspiriert wurde. Ein Gesamtkunstwerk also, auf das man sich mit Ruhe einlassen muss.
VÖ: 24.02.2017 | Galileo MC | 10 Tracks | http://www.unni.no
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5) THE BIG MOON – “Love In The 4th Dimension”
Alternative | Indie (Großbritannien)
Es ist Sommer 2014, die Londoner Sängerin Juliette Jackson jobbt in einer hippen Cocktailbar und wünscht sich weit weg. Als Ventil schreibt sie Songs über Liebeskummer und “Hangovers”, Roboter und Liebe in der vierten Dimension, und macht sich auf die Suche nach Musikerinnen, die mit ihr eine Band gründen wollen. Die Bandmitglieder sind schnell gefunden - Fern Ford (Drums), Soph Nathan (Gitarre) und Celia Archer (Bass) steigen nacheinander ein - und die Musik hört sich gleich ganz groß an. Alle scheinen nur auf diesen Augenblick gewartet zu haben, sich ganz dieser Band zu verpflichten. Die Reaktionen nach den ersten Auftritten und Veröffentlichungen sind voll des Lobes. Seitdem waren The Big Moon neben vielen anderen mit Mac Demarco, The Maccabees oder zuletzt mit Foxygen auch in Deutschland auf Tour, auch zum New Yorker CMJ Music Marathon wurden sie eingeladen, wo NPR die Band unter die zehn Highlights wählte. Jetzt also ist ihr Debüt erschienen und es bietet jede Menge schrammelig-schöne Indietracks. Jackson hierzu: „I wanted us to sound like a garage rock band, but with hooks. It’s what I’ve always listened to – White Stripes, Pixies, Kid Congo Powers, but also a lot of really gorgeous melodic stuff like Elvis and Roy Orbison and The Kinks. Stuff that sounds scuzzy, but that you can still sing along to.” Besser noch: man kann dazu tanzen, denn die Musik geht ordentlich ab.
VÖ: 07.04.2017 | Caroline International | 15 Tracks | http://thebigmoon.co.uk/tour
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6) BECCA STEVENS – “Regina”
Pop | Jazz | Singer/Songwriter (USA)
“Becca Stevens ist eine Sängerin und Gitarristin, die perfekt die Balance zwischen tiefschürfenden Melodien und lyrischer Kapriziösität wahrt“, schreibt die New Times über die in North Carolina geborene Singer-/Songwriterin und studierte klassische Gitarristin und Jazz-Komponistin. Nicht von ungefähr bezeichnet sie selbst Joni Mitchell, Tori Amos und Björk als ihre „Songwriting Mums“. Inspiriert von Studien über das Leben der englischen Königin Elizabeth I. hat sie einen Songzyklus geschaffen, in dem sie reale Regentinnen und fiktive weibliche Figuren zum Leben erweckt, als „Spiegelung meines anderen Ichs“. Mithilfe des Produzenten Troy Miller (Gregory Porter, Adele, Amy Winehouse) und MusikerInnen wie Michael League (Snarky Puppy), David Crosby und Laura Mvula lässt sie Figuren wie Frau Mab aus Shakespeare's „Romeo und Julia“ auferstehen, eine kleine Fee, die sich in die Träume der Menschen einschleicht, um mit falschen Versprechungen für Verwirrung zu sorgen. Das bezaubernde „Regina“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die vom rechten Pfad abgekommen ist und nicht wieder zurückfindet, „Well Loved” ist vom „Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon“ angeregt, die um das Jahr 1000 im Palast des japanischen Kaisers lebte. In „Mercury“ hat sie Lyrics von Freddie Mercury mit ihren eigenen verwoben. Der einzige Coversong ist Stevie Wonder‘s „As“, den sie zu Uke-Klängen im Duett mit Jacob Collier singt. „Regina“ bietet reichhaltige Songwriterperlen mit schönen, beseelten, mehrstimmigen Gesängen, leicht und schwebend wie Traumgebilde.
VÖ: 24.03.2017 | Ground Up | 13 Tracks | http://www.beccastevens.com
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7) LISA MITCHELL – “Warriors”
Pop (USA)
Die meisten von uns kennen Lisa Mitchell`s Musik und wissen es nicht: die junge Australierin konnte ihren Song “Napoleon Dreams” 2009 in Deutschland in der Werbung platzieren und kam damit auf Anhieb in die Top40 der Single-Charts, ihre Debüt-CD schaffte es sogar auf Platz 1 der australischen iTunes-Charts. Jetzt kam gerade ihre dritte CD in die Läden und der Erfolg wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Single-Auskopplung „Boys“ mit dem dazugehörigen Video hat einen ganz eigenen Charme, darin feiert sie die Freundschaft zu den „Jungs“, mit denen sie an einem Sommertag durch die Gegend cruist, in „Warriors“ singt sie über ihre Kindheit auf dem Land. Ihre Stimme ist hauchig-zart, mädchenhaft, was gut zur verträumt-melancholischen, mit elektronischen Sounds angereichterten Pop-Folkmusik passt, die von Eric J Dubowsky produziert wurde. Auf „What Is Love“ bekommt man einen Eindruck, wie ihre Songs entstehen, denn zu dieser Ballade begleitet sie sich selbst auf der Akustikgitarre. Manch eine/r mag ihre Songs als zu zuckrig empfinden, ich finde, es darf auch mal süß sein.
VÖ: 14.04.2017 | Play It Again Sam | 10 Tracks | http://www.thelisamitchell.com
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Auf MELODIVA findet Ihr weitere CD-Reviews von SAMANTHA FISH, CARMINHO, FAY CLAASSEN, u.v.m.... sowie Infos, Reports und Konzert- und Workshoptermine: http://www.melodiva.de.
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Wer diesen Newsletter trotz seines überaus informativen, sorgfältig recherchierten und interessanten Gehalts in Zukunft lieber nicht mehr bekommen möchte, kann sich hier austragen.
Viel Spaß beim Lesen wünschen Euch Eure Melodivas:
Hildegard Bernasconi, Mane Stelzer und
die Vorstandsfrauen: Lexi Rumpel und Gabi Rummel
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fon: +49 (0)69-4960-848
IMPRESSUM: FRAUEN MUSIK BÜRO,
ein Projekt des Trägervereins: Frauen machen Musik e.V.,
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